Corona, Woche 2

Ich sitze daheim, arbeite, esse, schlafe, putze mir die Zähne, schaue aus dem Fenster und mache meine Yoga-Übungen… alles wie immer. Und dann plötzlich wieder die Erinnerung: Nein, nichts ist mehr wie immer. Wie früher.

Die Welt da draußen steht gerade Kopf, ein Virus hat die Menschheit im Griff.

Allerorts gibt es Infizierte, Testungen, Todesfälle. Überfüllte Krankenhäuser, gesperrte Geschäfte, leere Straßen. Wir sollen daheim bleiben, uns und andere schützen. Über 5500 Menschen haben sich in Österreich derzeit offiziell mit Corona infiziert, 30 Menschen sind bereits daran gestorben. Über 200.000 Infizierte in Europa, über 400.000 weltweit. 7500 Tote allein in Italien. Ausgangsbeschränkungen allerorts. Die Nachrichtenticker laufen auf Hochtouren, ständig neue Meldungen, Schreckensbilder, Zahlen, Statistiken, Anordnungen, Maßnahmen.

Ich bin versucht, immer wieder das Radio aufzudrehen, im Internet nachzulesen, mich durchgehend auf dem Laufenden halten zu wollen. Doch diese unglaubliche Nachrichtenflut überwältigt mich. Sie macht etwas mit mir. Weckt Ängste, blockiert mein Hirn, schaltet auf Notprogramm, versetzt in einen Dauerstressmodus. Also weg damit. Nachrichtenfasten. Nur gezielt und das Nötigste.

Es ist wichtig und gut, dass wir informiert werden.

Es ist wichtig und gut, dass die österreichische Bundesregierung regelmäßig zu Pressekonferenzen lädt, über den aktuellen Stand berichtet. Es ist wichtig und gut, dass die Medien ausführlich Fakten, Geschehnissen, Maßnahmen, Antworten, Lösungsmöglichkeiten präsentieren, dass Fachleute, Betroffene zu Wort kommen. Trotzdem: ich muss auswählen, wann ich was und wie viel verkrafte. Es macht keinen Sinn, stündlich nachzulesen, jedes Detail erhaschen zu wollen. Unser Alltag muss weitergehen. Ich möchte meinen Alltag so gut es geht aufrechterhalten.

Eine seltsame Spaltung – hier daheim alles beim alten, Ruhe, die üblichen Staubflusen, der surrende Kühlschrank, die gemütliche Couch, der noch zu lesende Bücherturm. Draußen dagegen… Ich schalte weg, um, aus. Ich kann das, gottseidank. Ein probates Mittel gegen das Wahnsinnigwerden. Das würde niemandem nützen. Mir nicht und niemandem sonst. Einfach weitermachen, einen Alltag weiterleben, so gut es geht, das hilft. Ich werde jetzt wieder ein bisschen Yoga üben und dann früh ins Bett…. atmen, abschalten, entspannen.

Unsere Welt ist nicht mehr dieselbe wir noch vor ein paar Wochen, Monaten. Wird sie nie mehr sein! Unser aller Leben hat sich verändert. Wir wissen noch nicht, wohin das alles führen wird. Aber jede Krise kann auch eine Chance sein. Der entscheidende Schups zu einer notwendigen Veränderung. Und dass diese Welt, dass wir Menschen eine Veränderung notwendig hatten, ist spätestens jetzt allen klar. Es liegt wohl auch an uns, was wir daraus machen…

 

Der Grazer Schloßberg im Jänner 2020