Deutschland. Ein Wandermärchen.

Anna Magdalena Bössen ist eine ungewöhnliche Frau. Nicht nur dass sie einen ungewöhnlichen Beruf gewählt hat, nämlich: diplomierte Gedichte-Sprecherin, sie hat auch außergewöhnliche Ideen, einen starken Willen und unglaublich viel Kraft und Mut.

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Unter anderem um folgendes Projekt anzugehen: Nach längerer Vorbereitungszeit ist die junge Deutsche am 10. Mai 2014 in Hamburg auf ihr Fahrrad gestiegen, um damit ganz Deutschland abzuklappern. Mit dabei ein gelbes Köfferchen, ihre Arbeitsausrüstung – Anna Magdalena Bössen wollte gegen Kost und Logis allerorts auftreten und professionell Gedichte vortragen. Nicht nur das: sie wollte dabei „ihr“ Land erkunden, ihre Heimat kennenlernen, den Menschen, denen sie begegnete, Fragen stellen und herausfinden, was es mit diesem Land auf sich hat. Wer oder was ist Deutschland? Was macht es aus? Wofür schlägt der Deutschen Herz? Was bedeuten Kultur, Menschlichkeit, Natur, Gemeinschaft, Zusammenhalt, Freundschaft, Toleranz den Menschen, die hier leben? Welche Werte zählen? Was unterscheidet den Westen vom Osten, die Friesen von den Schwaben, den Oberbayern vom Unterbayern, die Insel- von den Festlandbewohnern?

Mit unzähligen Fragen und einigen Arbeitshypothesen im Gepäck war Anna Magdalena Bössen fast 2 Jahre auf Reisen. Über 8100 Kilometer hat sie mit dem Fahrrad heruntergestrampelt, 100 Auftritte in ganz Deutschland absolviert – im privaten Wohnzimmer, im Seniorenheim, auf Festen und auf vielen großen und kleinen Bühnen. Meist war sie alleine unterwegs, kurze Strecken immer wieder einmal begleitet begleitet von Freunden, ihrem Bruder und ihrem Lebenspartner, den sie erst knapp vor der Abreise kennen- und lieben gelernt hatte. Allen Zweifeln und Bedenken zum Trotz hatte dieser offensichtlich ebenso beharrliche junge Mann sie unterwegs immer wieder besucht, um ihr dann im zweiten Wanderjahr am höchsten Punkt des Landes, der Zugspitze, einen Heiratsantrag zu machen.

Das alles und wie es dazu kam, was sie unterwegs erlebte, welche Menschen sie kennenlernte, mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen hatte – das erzählt die Diplom-Rezitatorin und Abenteurerin in ihrem jüngst erschienenen Buch: Deutschland. Ein Wandermärchen. Unterwegs mit einem Koffer voller Gedichte.

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Der Titel ist angelehnt an Heinrich Heines „Deutschland. Ein Wintermärchen“. Das sehr lebendig geschriebene Buch enthält auch einiges vom „Arbeitsmaterial“ der Autorin, sprich: Gedichte von Heine über Huch, Bachmann und Brecht, Goethe und Roth. Dazu ein paar Schwarz-weiß-Fotos und den berührenden „Brief an meine Landsleute“, der auch auf der Homepage von Anna Magdalena Bössen nachzulesen ist.

Alles in allem ein Buch, das ich regelrecht verschlungen habe. Man erfährt viele nahezu intime Details vom großen Nachbarland, es macht Lust selbst auf Entdeckerreise zu gehen, die vielen wunderbaren Orte, Landschaften und Städte zu besuchen. Und es eröffnet eine Blick auf die Menschen, ihre Vielfalt, ihre Unterschiede und – trotz allem – ihre Gemeinsamkeiten, ihre Zusammengehörigkeit, ihre Träume. Ein sehr persönliches, spannendes, lesenswertes Buch…. unbedingt zu empfehlen!!!

Und sollte Anna Magdalena Bössen sich doch noch einmal auf die Reise begeben: Hier in Österreich würde ich sie sofort und liebend gerne empfangen :):):).

Seit Mai 2016 gibt es auch noch das Bühnenprogramm DEUTSCHLAND. EIN WANDERMÄRCHEN – DAS GROSSE LITERATURSCHAUSPIEL. Premiere war in Hamburg. Hier ein kleiner Eindruck.

Und noch ein Video Trailer von der Autorin.

 

Zum Nachlesen (hier geht´s zur Leseprobe):

Anna Magdalena Bössen: Deutschland. Ein Wandermärchen. Ludwig Verlag, München, 2016.

(Buch und Foto vom Verlag zur Verfügung gestellt).