Die Frau meines Lebens

sagt sie dass er sagt dass sie weiß dass er so denkt dass es immer schon so war und dass er ihr das auch immer vermittelt hat zwanzig jahre lang und das ist schön sagt sie das gefällt ihr auch wenn ihr anderes nicht gefällt sein schweigen zum beispiel er schweigt stunden – tage – ja mittlerweile wochenlang kein gruß keine geste nur schweigen ein schweigen das schwer über ihr lastet das drückt in ihr und auf sie und rund um sie sie flüchtet dann in die arbeit zu freunden in die kirche zum spaziergang endlose spaziergänge und immer die stille unbelehrbare hoffnung wenn sie wiederkehrt möge das schweigen verschwunden sein aber es ist geblieben setzt sich hartnäckig fest kein wort findet sich zwischen ihnen und auch wenn sie weiß dass sie die frau seines lebens ist weiß sie nicht mehr wie sie es ertragen soll sein schweigen zwanzig jahre sind genug befindet sie und weiter dass sie nicht mehr leiden sich nicht mehr quälen will aber nach zwanzig jahren was soll sie nach zwanzig jahren aber weitergehen kann es so auch nicht mehr es könnte so schön sein denn sie leben gut miteinander sie liebt ihn immer noch so wie er sie aber sein schweigen … das bringt sie um – langsam – ist ihr die kraft ausgegangen und ändern wird er sich nimmer sie sucht eine lösung verzweifelt sucht sie allerorts in sich und außerhalb und findet stets nur sein schweigen erstarrt und sie weiß wohl dass es so bleiben wird – ob mit ihr oder ohne sie
nicht findet sie einen weg durch seinen panzer und die mauer ist hoch gewachsen mittlerweile. efeuberankt.

 

IN: DIE FEDER, 2013