Dr. Bachs Blüten: Humbug oder Heilung?

Bachblüten – haben wir alle schon einmal gehört. Aber was genau hat es damit auf sich? Esoterisches Geschwätz oder Wundermittel? Placebo-Effekt oder unschätzbares Heilmittel der Natur?
Die Diskussion verläuft heftig. Es gibt (noch) keinen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirkung der Blüten. Anderseits scheinen sie oftmals doch irgendwie zu wirken. Aber wie?
Gehen wir zurück zu den Anfängen. 1886 wird in England nahe Birmingham ein Junge geboren, den seine Eltern Edward nennen. Edward wächst heran, arbeitet einige Jahre in der elterlichen Messinggießerei und entschließt sich 1906 Medizin zu studieren. Er wird Leiter einer Unfallstation, wechselt in die Forschung und widmet sich der Herstellung von Impfstoffen. Plötzlich und unerwartet kommt 1917 die Krise: ein bösartiger Milztumor wird diagnostiziert – die Ärzte geben Edward noch ein paar Monate. Sein Schicksal scheint besiegelt. Doch das scheint der Wendepunkt in seinem Leben zu sein – Bach kämpft gegen die Krankheit an und wird tatsächlich gesund. Sofort stürzt er sich wieder in die Arbeit und zwar in einer Londoner Klinik, in der die Lehren von Samuel Hahnemann, dem Begründer der klassischen Homöopathie, eingesetzt werden. Diese neue Betrachtungsweise entspricht Bach weit mehr als die klassische Schulmedizin, die sich seiner Meinung nach zu sehr auf die Behandlung der körperlichen Symptome konzentriert, nicht aber auf deren Ursachen eingeht.
Nach Bach sind die Ursachen einer Krankheit im Innersten eines Menschen zu finden, in negativen „Gemütszuständen“, wie er es bezeichnet. Er vertritt die Ansicht, dass jeder Mensch von seinem Ursprung her vollkommen und gesund ist. Im Verlaufe seines Lebens jedoch durch Enttäuschungen und leidvolle Erfahrungen verliert der Mensch mehr und mehr seine ursprüngliche Vollkommenheit. Negative Einstellungen gegenüber sich selbst und anderen gegenüber sind die Folge und der Keim späterer Erkrankungen.
In der Behandlung konzentriert sich Bach vermehrt auf die „Gemütszustände“ seiner Patienten. „Behandle die Persönlichkeit und nicht die Krankheit“ wird einer seiner Grundsätze. Er eröffnet eine Praxis in London und macht sich auf die Suche nach „reineren“ Heilmitteln, nach Wirkstoffen, die ohne Chemie und Bakterien auskommen. 1929 schließlich entdeckt er die ersten Blüten und beginnt diese in der Krankenbehandlung einzusetzen – mit Erfolg. Er ist so überzeugt von der Wirkung der Blüten, dass er ein Jahr später seine Arbeit und seine lukrative Praxis in London aufgibt, um sich ganz seiner neuen Heilmethode zu widmen. Die erste Ausgabe seiner bekannten Schrift „Heal Thyself“ (Heile dich selbst) erscheint – und der Krach mit der Ärzte- und Kollegenschaft ist entbrannt. Dass seelische Zustände die Ursache von Krankheiten sein sollen und womöglich Laien mit Hilfe von einfachen Blütenwässerchen Kranke behandeln können, das ist denn doch zuviel für die ärztlichen Standesorganisationen. Unbeirrt macht Bach weiter und veröffentlicht 1932 die Schrift „Free Thyself“ (Befreie dich selbst). Die Ärztekammer droht mit Streichung aus dem Ärzteregister. Nach langem hin und her setzt Bach sich durch: Die Streichung unterbleibt.
Insgesamt 38 Blüten findet Edward Bach, die allen nur möglichen Gemütszuständen eines Menschen entsprechen – und behandelt mit ihnen erfolgreich viele Patienten. 1936 ist sein Werk vollendet, er begibt sich noch auf Vortragsreisen – und stirbt kurze Zeit später an Herzversagen.
Seine Ideen jedoch werden aufgegriffen, zum Teil variiert, ergänzt und haben bis heute ihre Faszination behalten.
Wie aber wirken die Blüten nun? Laut Bach überträgt sich die Energie der Blüten auf das Wasser, in dem sie nach der Ernte gelagert werden. Das Wasser wird schließlich mit Alkohol haltbar gemacht und in so genannten stock bottles aufbewahrt. Je nach Bedarf und Persönlichkeit werden nun Mischungen aus verschiedenen Blütenessenzen, wiederum stark verdünnt, in kleine Fläschchen abgefüllt, und tropfenweise eingenommen.
Einen wissenschaftlichen Nachweis für die Wirkung gibt es bis dato nicht. In den Fläschchen sind keinerlei Stoffe nachweisbar – nichts als Wasser und Alkohol. Die Wirkung erfolgt auf physikalischem Weg – über Schwingungen, Informationen, die von den Blüten auf das Wasser übertragen werden (wobei sogenannte Informationen im Wasser mittlerweile auch in verschiedenen anderen Bereichen untersucht werden, zB im Granderwasser).
Bachblüten wirken auf die Psyche des Menschen. Auch Kinder, Säuglinge, ja sogar Tiere und Pflanzen sollen gut darauf ansprechen. Wobei Bachblüten keine medizinische Behandlung ersetzen sollen, sondern sie ergänzen oder ihr bestenfalls vorbeugen.
Ob die Blüten helfen oder nicht – kann jeder nur für sich selbst beurteilen.
Wobei wissenschaftliche Erkenntnisse nicht immer der untrügliche Beweis sind: Denken wir an die Hummel: Bei ihrer Kombination von Flügelfläche zu Gewicht ist es nach den Gesetzen der Aerodynamik unmöglich zu fliegen. Die Hummel weiß das glücklicherweise nicht und fliegt einfach!

IN: KLIPP Feb. 2014