“Drei Minuten mit der Wirklichkeit“

… nennt sich ein dicker Schmöker von Wolfram Fleischhauer. Auf über 550 Seiten erfahren wir hier einiges aus der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien und deren nahezu unüberschaubare Verbindungen mit vielen anderen Staaten in Südamerika und Europa. Das Ganze ist eingebettet in eine wunderbare, dramatische Liebesgeschichte – die junge Balletttänzerin Guilietta trifft in Berlin auf den argentinischen Tangotänzer Damian und es funkt auf Anhieb.

Doch dann verschwindet Damian von einem Tag auf den anderen und Guilietta begibt sich auf eine nicht ungefährliche Reise nach Buenos Aires, taucht ein in die Geschichte des Tangos und in die dunkle Vergangenheit des Landes, die auf seltsame Weise auch mit ihrer eigenen verknüpft zu sein scheint. Wir folgen ihr durch die Tangobars der Stadt, hören mit ihr die leidenschaftliche, berauschende Tango-Musik, erfahren Details über Positionen, Schritte und Figuren im Tango, erleben eine Millionenmetropole und die heute noch sichtbaren Zeichen einer gewalttätigen, blutgetränkten Vergangenheit.

Die Geschichte fesselt von Anfang an, die Spannung wächst von Seite zu Seite. Für diejenigen, die es gar nicht aushalten können, sei hier noch der letzte Satz verraten: “Sie war angekommen”.

Fleischhauer Wolfram: Drei Minuten mit der Wirklichkeit. Knaur Taschenbuch Verlag, München, 2002. ISBN 978-3-426-62256-8

 

AUF: TANGO GRAZ, März 2014