Ein Kreativkopf und sein Showroom am Grazer Glacis

Das Currygemüse duftet verführerisch auf meinem Herd. Das sattgelbe Currygewürz habe ich in der Les editions ARTFABRIEK erstanden – Kunsthandel, Verlag und Druckerei in einzigartiger Kombination. Schuld daran ist wohl Graham Nash, Musiker der Band Crosby, Stills, Nash and Young.
Was der anregende Curryduft in meiner Küche mit einem internationalen Musiker und einem Kunsthandel in Graz zu tun hat – dafür ist Robert Uranitsch zuständig. Jener Fotograf und Künstler, der am Grazer Glacis den Showroom seiner Les editions ARTFABRIEK eröffnet hat. „Schon als Kind haben mich die kleinen Bilder in den alten Büchern fasziniert, ich wollte sie am liebsten immer ganz groß sehen“. Heute kann er das und wir mit ihm: Seine Les editions ARTFABRIEK produziert Kunstdrucke, die ganz besonders sind: FineArt, auf besten Papier, in zum Teil limitierter Auflage und in verschiedenen Größen, mit Echtheitsstempel versehen.

Begonnen hat alles als kleines Druckstudio, das der Fotograf in Graz auf die Beine gestellt hat. Immerhin kommt er selber aus einer alten Druckerfamilie – „mein Großvater hat noch mit Steindruck gearbeitet“. Robert Uranitsch experimentiert mit Digitalisierungs- und Drucktechniken, die es ermöglichen, kleinste Vorlagen in größtmöglichen Formaten zu drucken. Die Idee zur ARTFABRIEK entsteht. 2013 wird die GmbH gegründet und der Showroom am Glacis eröffnet. „Ich sehe mich als Unternehmer“, meint Robert Uranitsch, „ich biete Produkte an, die wir selbst gestalten, in verschiedenen Größen drucken bzw. in restaurierter Form neu herausbringen“. Dafür stöbert er gerne auf Flohmärkten und in Antiquariaten herum, immer auf der Suche nach guten Vorlagen, ob Bücher, Radierungen, Ölbilder oder Tuschezeichnungen.

Ständig wachsende Sammlung

Im Showroom kann man derzeit Schmetterlinge und bunte Papageien bewundern, in allen Größen, wunderbar detailgetreu, auch Pflanzen, Früchte, Portraits, klassische Biedermeiermotive und – was zunehmend nachgefragt wird – Maschinen und schräge Technikmotive. Zurzeit hat der Unternehmer sich auf Drucke aus dem 15. bis 19. Jahrhundert spezialisiert und die Sammlung wächst beständig.
„Wie arbeiten mit einem zertifizierten Drucksystem, dass eine extrem hohe Haltbarkeit gewährleistet und wir legen höchsten Wert auf Farbechtheit“, erzählt er stolz, „wie bieten erstmals und international einmalig die Kombination Digitalisieren, Druck und Verlag in einem Haus vereint. Manchmal kommen Menschen mit einem wunderschönen antiken Rahmen, da passt nur leider kein Bild rein“, berichtet er weiter. Die ARTFABRIEK schafft Abhilfe, denn er kann Kunstdrucke in (fast) beliebigen Größen produzieren. So lässt er mich einen alten Mongolen bestaunen, als winziges Bildchen im Original, als fast zwei Meter Werk in neuer detailgetreuer Fassung. Die Palette der Produktionsmöglichkeiten scheint schier unbegrenzt. „Die Grenzen der Phantasie liegen beim Kunden – wir können in allen Größen drucken, können Teile weglassen, Farben verändern und Motive überall raufdrucken, ob Lampenschirm oder Vorhangstoff“, so Uranitsch. Man darf also gespannt sein.

Nash, Kunst & Curry

Geplant sind für die Zukunft regelmäßige Ausstellungen, auch von zeitgenössischen Künstlern wie bereits jetzt Ingrid Stern, Christian Peneff oder Peter Manhal und verschiedene Events – „wir wollen hier ein Ort der Begegnung sein“. Ach ja, was nun mein Currygemüse mit Graham Nash und der ARTFABRIEK zu tun hat, fragen Sie sich noch immer? Nun, von Graham Nash, der auch ein begnadeter Fotograf ist und den er in den USA kennengelernt hat, hat Robert Uranitsch sich dereinst für seine Digitalisierungs- und Druckexperimente inspirieren lassen. Heute bietet der Kreativkopf in seiner ARTFABRIEK neben Kunstwerken aller Art auch immer wieder ausgewählte Kleinigkeiten an, seien es Seidenschals aus Indonesien, leuchtend bunte Keramiken der Künstlerin Gabriele Temme oder eben die leckeren Currygewürze, an denen ich partout nicht vorbeigehen konnte.

IN: KLIPP Mai 2014