Eine spannende Zeit

Bücher zum Thema Älterwerden schießen zur Zeit wie die Schwammerl aus dem Boden. Titel wie „Wo ist denn meine Brille? „ „Wir wilden weisen Frauen“ „Die hohe Kunst des Älterwerdens“ „Männer altern anders“ „Wechseljahre – Wandlungsjahre“ überwuchern die Ladentische. Das Thema ist IN. Immer mehr Menschen beschäftigen sich damit: was kommt nach der Lebensmitte? Wie will ich mein Leben gestalten nach Pensionsantritt, Kinder-in-die-Welt-verabschieden, nach den vielen Jahren des unermüdlichen Arbeitens, für andere da-Seins, sich um andere kümmern. Man hört von Midlife-Crisis, Pensionsschock und Leeres-Nest-Syndrom. Scheidungen müssen bewältigt, ein Umgang mit den körperlichen Veränderungen gefunden werden. Viele neue Herausforderungen warten da auf uns nach der Lebensmitte. Es ist eine Zeit der Neu- der Umorientierung, alte Träume werden wieder hervorgeholt, wollen entstaubt, angegangen oder überarbeitet werden. Die Zeit ist überschaubar geworden und damit kostbar. Und es tut sich unglaublich viel. Im Innen wie im Außen. Es ist eine Zeit der Entwicklung, der Reifung. Der Wunsch nach Quantität und Expansion wird abgelöst durch die Suche nach Qualität, eine verstärkt Konzentration auf das Wesentliche. Natürlich können auch in diesen Jahren Aufgaben unterschiedlich bewältigt, Reifungsprozesse unterschiedlich empfunden, durchlebt werden. Es ist auf jeden Fall eine spannende Zeit, die Zeit nach der Lebensmitte, die Zeit, die wir so landläufig mit Älterwerden bezeichnen. Und immer mehr Menschen möchten sich auch bewusst damit auseinandersetzen.

Die Journalistin Silvia Aeschbach hat sich in ihrem Buch „Älterwerden für Anfängerinnen“ mit dem eigenen Älterwerden auseinandergesetzt und dazu 14 weitere Frauen interviewt. Frauen im Alter zwischen 43 und 73. Allein die Bilder sprechen Bände. Sie zeigen die unendliche Bandbreite an Entwicklung, Veränderung. Die Geschichten erzählen davon, wie schwer es manchmal sein kann, unliebsame Veränderungen an sich selbst zu akzeptieren, v.a. wenn eine Frau sich stark am Aussehen orientiert, an gängigen Schönheitsidealen, an Modetrends. Die größtenteils eine jugendliche Zielgruppe repräsentieren und auf diese zugeschnitten sind. Aber sie erzählen auch von unerwarteten Höhenflügen, interessanten Wendungen im Leben und neuen Herausforderungen.

 

IN: KLIPP, September 2016