Achten Sie auf sich selbst!

Wir verbringen meist viel Zeit damit, uns um andere zu sorgen. Wir kümmern uns um unsere Kinder, unsere Eltern, Verwandte, unsere Freunde, Nachbarn, ja sogar für die Arbeitskollegen haben wir stets ein offenes Ohr, wenn sie mit ihren Sorgen kommen. Doch leider bleibt dabei manchmal unser eigenes Wohlbefinden auf der Strecke. Wir gehen oft an und über unsere Grenzen, damit es anderen gutgeht – und vernachlässigen dabei uns selbst. Für sich selbst gut sorgen wird auch heute noch oft mit Egoismus und Rücksichtslosigkeit verwechselt. Kaum jemand traut sich zu sagen: „Ich sorge gut für mich“ oder: „Das mache ich nicht, das tut mir jetzt nicht gut!“

Wie wir mit uns selbst umgehen: Der Arzt und Psychologe Arnold Retzer von der Universität Heidelberg meinte dazu: „Viele Menschen entwickeln große Empathie für Fremde, sogar für Tiere – sei es für die tote Lady Di, sei es für den Eisbären Knut. Gleichzeitig fehlt es an Empathie mit sich selbst. Ich habe den Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ immer für eine Drohung gehalten, wenn ich sehe, wie lieblos und grausam viele Menschen mit sich selbst umgehen.“

Verantwortung für sich selbst übernehmen: Denn ich allein bin es, die Verantwortung für sich trägt, kein anderer kann mir meine Eigenverantwortung abnehmen. Die Schwierigkeit dabei: sich selbst zu schätzen und zu lieben, das haben wir oft nicht gelernt. Tatsache ist aber: Nur wenn es mir gut geht, kann ich auch für andere da sein, für andere sorgen. Wenn ich nicht auf mich achten kann, wie soll ich dann auf einen anderen achten können? Ich muss für mich selber wissen, wie ich Kraft und Energie tanken kann, wo ich Grenzen ziehen muss – nur dann kann ich das auch weitergeben.

Eigenes Wohlbefinden fördern: Vor allem Frauen sind aufgrund ihrer Erziehung gefährdet, sich für andere aufzuopfern, bis nichts mehr von ihnen übrigbleibt. Fragen Sie sich selbst einmal: Was wollen Sie Ihren Kindern mitgeben? Dass man sich aufgibt (und aufreibt) im Dienst am nächsten oder wie man es schafft gut für sich selbst zu sorgen, sich ein schönes Leben zu gestalten, mit seinen Kräften hauszuhalten und aus diesem Wohlgefühl heraus auch für andere da sein zu können?

Sich selbst lieben dürfen wie den nächsten: Geben Sie sich die Erlaubnis: ich darf gut für mich sorgen, ich darf mich auch mal verwöhnen (lassen), ich darf genießen und es mir gut gehen lassen und: ich darf auch mal Hilfe einfordern, wenn es nötig ist – ohne Reue. Auch wenn ich weiß, dass es anderen gerade nicht so gut geht. Ich achte mich und deshalb kann ich auch andere achten. Denn: „Sich um eigene Bedürfnisse zu kümmern ist weder egoistisch noch selbstgefällig: Es ist lebensnotwendig!“ (Jennifer Louden)

 

Leserbriefanfrage

Problem: Hilfe! Meine neuen Nachbarn machen ständig Lärm. Sie spielen laut Musik bis in die Nacht, haben den Fernseher oder Radio oft extra laut eingestellt, ich kann kaum noch schlafen. Ich will nicht jedesmal gleich die Polizei holen, aber das ist nicht mehr zum Aushalten. Was soll ich tun?
Antje D. (56), aus Regensburg

Lösung: Ich würde Ihnen raten, zuerst einmal das Gespräch mit Ihren Nachbarn zu suchen. Haben Sie sich überhaupt schon kennengelernt? Dann wäre dies eine gute Möglichkeit sich einmal vorzustellen, die „Neuen“ in der Hausgemeinschaft zu begrüßen. Suchen Sie ein ruhiges, freundliches, sachliches Gespräch, sie können darauf hinweisen, dass die Wände ein wenig hellhörig sind und man hier schnell etwas durchhört. Sagen Sie, dass sie auf eine gute Nachbarschaft Wert legen und es wichtig finden, sich die Dinge auszureden. Erwähnen sie, dass sie viel durchhören von den Nachbarn und darum bitten, die Musik oder den Fernseher leiser zu drehen. Vielen ist oft gar nicht bewusst, dass sie mit ihrem Lärm die anderen stören könnten. Deshalb: bevor Ärger und Unmut anwachsen, sprechen sie die Dinge an. Im Bedarfsfall können Sie ich auch mit anderen Nachbarn noch austauschen, wie weit die Lärmbelästigung auch von ihnen so erlebt wird.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2013