„Ich bin dann mal glücklich…“

Den letzten Bus gerade noch erwischt? Mit dem Ruppellos gestern ein paar Euro gewonnen? Die verlorene Brieftasche tatsächlich wiedergefunden? Ein vierblättriges Kleeblatt entdeckt? Glück gehabt! Aber halt: heißt das auch schon, dass Sie ein glücklicher Mensch sind? Nicht unbedingt!

Glück haben ist etwas anderes als glücklich sein.

Wenn jemand Glück gehabt hat, heißt das noch lange nicht, dass er auch glücklich ist. Und umgekehrt, selbst wenn ich kein Glück habe, muss ich noch lange nicht unglücklich sein. Glück haben und glücklich sein sind also zwei verschiedene Paar Schuhe, die wenig miteinander zu tun haben – oder?
Gibt es den ewigen Glückspilz, dem das Glück bereits in die Wiege gelegt wurde? Warum haben die einen ständig Glück und die anderen nie?

Kann es damit zu tun haben, dass man das Glück auch wahrnehmen und annehmen muss? Wenn ich nur sehe, was nicht passt, was alles nicht meinen Erwartungen entspricht, werde ich wenig Anlass zum Glücklichsein finden. Wenn ich offen bin und neugierig, mich überraschen lassen und annehmen kann, was das Leben an Gutem für mich bereithält, dann, ja dann kann ich mich schon einmal glücklich schätzen. Dann nehme ich sie wahr, die kleinen Glücksinseln im Alltag.

Was „Glück gehabt“ bedeutet, darüber mögen wir uns noch irgendwie einig sein – Glück in der Liebe, Glück im Spiel, einen Glücksgriff getan haben, den letzten Parkplatz ergattert, so ein Glück, die unbekannte Urlaubsdestination – ein Glückstreffer!

Was aber verstehen wir unter glücklich sein? Wann bin ich ein glücklicher Mensch? Außerdem: Wenn ich gerade nicht glücklich bin, heißt das schließlich noch lange nicht, dass ich unglücklich bin. Oft bewegen wir uns ja in dieser breiten Grauzone zwischen nicht gerade glücklich, aber auch keineswegs unglücklich, eben so „irgendwie halt“. Was aber ist nun Glück – und: wann sind wir glücklich? Was macht uns glücklich? Ist es für jeden etwas anderes? Oder gibt es Dinge, Situationen, die jeden von uns glücklich machen? Und schließlich: Wer ist verantwortlich für mein Glück?

Viele Wege gibt´s zum Glück…

Zunächst: Glück zu empfinden ist ein Zustand, der verschiedene Zeitebenen hat. Es kann ein kurzer Moment sein, ein genussvolles Essen, das Lob und die Anerkennung für eine soeben erfolgreich abgeschlossene Arbeit, das Kuscheln mit dem Liebsten, der erste Kuss… es bezeichnet jedoch auch ein dauerhaftes Gefühl, einen Zustand des Wohlbefindens, der Zufriedenheit. Andere Sprachen haben eine breitere Palette an Ausdrucksmöglichkeiten, um hier genauer zu unterscheiden, im Englischen zum Beispiel „pleasure“ für den Glückmoment, den Glückskick, „happiness“ für das andauernde Wohlgefühl, das glückliche Leben, und schließlich „luck“ für den glücklichen Zufall, der Glückstreffer.

Nachdem das Phänomen Glück in der Forschung lange Zeit sträflich vernachlässigt wurde, hat sich gegen Ende des letzten Jahrhunderts, in den 80er, 90er Jahren die so genannte „Positive Psychologie“ endlich dem Glück zugewandt – seither wird untersucht und studiert, was denn den Menschen glücklich mache. Und es gibt bereits einige erfreuliche Erkenntnisse: Drei Faktoren sind identifiziert, die u.a. ein glückliches Leben ausmachen können: Genuss, Sinn und Aktivität.

Wer genießen kann, lebt glücklicher als jemand, der an den schönen Dingen des Lebens nur vorbeihetzt. Wobei Genuss ein wahlloses und unbegrenztes Dauerkonsumieren eindeutig ausschließt – das weiß jeder, der sich voller Vorfreude am verlockenden Buffet dann schon mal den Magen verrenkt hat – vom Genuss blieb keine Spur.
Ein sinnerfülltes Leben hat viel damit zu tun, in einer Aufgabe aufzugehen, sich zu engagieren, für andere, für eine höhere Sache, eben einen Sinn zu finden in seinem Leben. Und Aktivität schließlich meint, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten einzusetzen und zu vervollkommnen, seine Talente zu entwickeln und einfach: zu tun. Sich Ziele zu setzen, darauf hinzuarbeiten und sie schließlich auch zu erreichen – das ist ein stetiger Quell des Glücks. Glücklich also derjenige, der es schafft all diese Aspekte in seinem Leben unterzubringen.

Glücklich ist, wer vergisst…

Es gibt noch andere Hinweise auf glückliches Leben: Wie wir über uns denken, hat großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Wer sich selbst mag und gut über sich denkt, wird glücklicher sein als jener, der sich selbst so gar nicht schätzen kann. Glückssteigernd sind die warmherzig-freundlichen und eher allgemeinen Gedanken, die man über sich und das Leben hat – weniger glücksbegabte Zeitgenossen orientieren sich oft nur an konkreten, materialistischen und momentanen Situationen: das neue Auto, die Hochzeit des einzigen Kindes, das tolle Einkaufszentrum in der Nähe… Derartige Konkretheiten taugen nicht so sehr für das andauernde allgemeine Glück. Noch dazu, wo US-Glücksforscher Martin Seligmann aufgezeigt hat, dass die eigenen Erinnerungen ohnehin wichtiger sind für ein glückliches Leben als gerade aktuelle Zustände von Lust oder Unlust – was bleibt, ist das Ganze und wie es erinnert wird. Im Rückblick verklärt sich doch vieles – und das liefert im Nachhinein noch Glück.

Ist es nur Glück, wenn ich glücklich bin?

Aber kann man auch glücklich sein, wenn man arm ist oder krank? Untersuchungen haben ergeben, dass wir eine gewisse Grundsicherung brauchen, jedoch betont Glücksforscher Ed Diener von der University of Illinois: „Es ist wahrscheinlicher, dass uns äußerste Armut unglücklich macht, als dass Reichtum uns Lebensfreude schenkt.“ Mehr macht nicht automatisch glücklicher. Menschen mit einem hohen Lottogewinn sind auf Dauer auch nicht glücklicher als „Nichtgewinner“. Und selbst schwere Verletzungen oder Krankheiten müssen nicht automatisch unglücklich machen – nach einer gewissen Zeit, so hat sich herausgestellt, kann jeder wieder seinen ursprünglichen Glückslevel erreichen. Und manchmal sogar noch mehr. Es gelten also keine Ausreden: Glücklich sein kann man üben. Oder verweigern.

Wie aber Professor Diener in zahlreichen Vergleichsstudien festgestellt hat, sind glückliche Menschen einfach besser dran als die weniger Glücklichen: Sie sind gesünder, verdienen mehr, sind engagierter und haben bessere Beziehungen. Glück ist also nicht nur Folge, sondern oftmals auch Ursache positiver Verhaltensweisen – Glück zieht Glück an, könnte man schlichtweg meinen. Das sind doch Argumente!
In Deutschland, aber auch in Österreich wurde mittlerweile schon in der einen oder anderen Schule das Fach „Glück“ eingeführt – sicherlich nicht die schlechteste Vorbereitung für unser Leben.

 

IN: KLIPP, Feb. 2010

 

Kleines EXTRA: ZITATE einst und heute

„Glück ist gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis.“ (Albert Schweitzer)

„Glück ist jener kleine Funke, der stets in uns wohnt, zu dem wir uns aber nur selten bekennen.“ (Petra Ganglbauer)

„Glück bedeutet für mich, nicht vergleichen zu wollen.“ (Roland Schaffler)

„Glück bedeutet mich in meiner Haut pudelwohl zu fühlen….was gleichbedeutend ist, dass es meinen Lieben und mir gut geht, alle gesund sind und ich mir über niemanden Sorgen machen muss. Es kann eine Wanderung sein, wenn ich mir selber beim Denken zuhören kann… auf einem Berg zu stehen, die Augen zu schließen und die Energie zu spüren“. (Erika Zötsch)

„Das Glück des Mannes heißt: Ich will. Das Glück des Weibes heißt: Er will.“ (Friedrich Nietzsche)

„Glück bedeutet für mich: die Übereinstimmung von wollen und können“ (Armin Fischwenger)

„Glück heißt für mich innere Ruhe, Ganzsein, das Herz geht auf, der Augenblick ist spürbar, es bedeutet Hingabe… leicht schwebend, tanzend sich dem Leben hingebend beim Anblick eines Schmetterlings, der sich des Lebens freut oder das goldene verträumte Spiegeln eines Sonnenstrahls in einem romantischen Teich….“ (Brigitta Fetsch)

„Das Glück deines Lebens hängt von der Beschaffenheit deiner Gedanken ab.“ (Mark Aurel)