Im Gespräch…

Interview (Textauszug) im Buch „30 Stunden Flow“:

 

Was sind begünstigende Voraussetzungen für Burnout bzw. wie entsteht Burnout?
Die Beantwortung ist nicht ganz einfach, da es so viele Faktoren sind, die zu einem Burnout führen können. Das kann schon mit Prägungen in der Kindheit beginnen, wenn Kinder sehr früh allzu viel Verantwortung innerhalb der Familie übernehmen müssen. Es ist auch eine Typfrage: bin ich eine Helferseele, die es allen stets recht machen möchte, bin ich perfektionistisch veranlagt, mit hohen Ansprüchen usw. Wenn man schubladisieren möchte, kann man grob zwei Typen unterscheiden: zum einen den Ikarus-Typ, der mit großer Leidenschaft an die Dinge herangeht, sich weit hinauswagt und keine Grenzen akzeptieren will. Es sind nicht selten Personen, die in der Öffentlichkeit stehen und für ihre scheinbar unendliche Energie und ihr Engagement bewundert werden. Dem gegenüber gibt es Menschen, die man gar nicht richtig wahrnimmt, die schwer „Nein“ sagen können, alles übernehmen, denen man jede Arbeit zuschanzen kann, die immer für andere da sind … bis sie irgendwann nicht mehr können. Auch sie haben ihre Grenzen permanent missachtet.
Und dann sollte noch berücksichtigt werden, dass auch ein falscher Lebensweg, der mir nicht entspricht, zu dem man sich vielleicht aus familiären oder beruflichen Umständen gezwungen sieht (z.B. das Familienbetrieb übernehmen müssen), ins Burnout führen kann.
Angesehen davon leben wir in einer Zeit, die immer mehr Tempo und Leistung verlangt – immer mehr in immer kürzerer Zeit – wir sind einer Dauerreizüberflutung ausgesetzt. Am Arbeitspatz wird oft genug nur auf kurzfristigen Gewinn und maximale Leistung gesetzt, der Druck wächst, kaum jemand hat noch Zeit sich in Ruhe mit seiner Arbeit auseinanderzusetzen. Dazu kommen möglicherweise Konflikte, Mobbing, ein schlechtes Klima am Arbeitsplatz, steigende Verantwortung bei wachsendem Termindruck etc. Und der Ausgleich, die Erholungszeiten werden weniger.

 

Was sind die größten Irrtümer in Bezug auf Burnout?
Viele denken sich, dass man Burnout einfach „aussitzen“ kann, und es sich, ohne eigenes Zutun, von selbst legen wird. Abwarten verschlimmert die Lage zumeist nur. Burnout wird einerseits gerne bagatellisiert, andererseits wird der Begriff manchmal missbräuchlich für momentane Müdigkeit und kurzfristige Erschöpfung verwendet. Man spricht von Burnout allerdings erst, wenn dieser Erschöpfungszustand schon mindestens ein halbes Jahr andauert. Viele der Symptome können auch auf andere Krankheiten verweisen (Schilddrüse, Mineralstoffmangel etc.), deshalb sollte immer eine gründliche medizinische wie psychologische Abklärung erfolgen. Ein weiterer Irrtum ist, dass es sich hierbei ausschließlich….

 

Welche sind die auffälligste Symptome bei einem Burnout?
Die Symptome können auf allen Ebenen sichtbar werden: körperlich, kognitiv, emotional und im Verhalten. Sehr oft wird von Schlafstörungen, Kopf- und Rückenschmerzen aller Art von Problemen mit der Verdauung, dem Magen-Darmbereich oder Hautproblemen berichtet. Es kommt zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Gefühlen von Überforderung, Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, innerer Leere, die letztlich in eine Depressionen führen können. Zunehmende Konzentrationsschwierigkeiten, Blackouts und verstärkte Vergesslichkeit sind weitere häufig auftretende Merkmale. Die Fehlerhäufigkeit steigt, ebenso die Gefahr von kleineren und größeren Pannen und Unfällen. Meist kommt es zum einem sozialen Rückzug, weil man sich von allem überfordert fühlt.

 

Welche Schwierigkeiten gibt es in der Diagnose von Burnout?
Wie schon gesagt gibt sehr viel unterschiedliche Symptome. Körperliche Beschwerden werden oft nur auf dieser Ebene behandelt, die Ursachen dahinter werden nicht erkannt. Darüber hinaus gilt Burnout nach wie vor nicht als offizielle Diagnose (laut ICD-10) und wird von manchen Schulmedizinern noch als „Mode“-Diagnose abgetan. Burnout erfordert eine sehr gründliche und genaue Abklärung.

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Gibt es eine Querverbindung zwischen Burnout und Flow?
Mihály Csikszentmihályi beschreibt Flow als einen Zustand, bei dem man in seinem Tun aufgeht. Man ist gut und ausreichend gefordert, aber nicht überfordert, man vergisst alles, was rund um einen passiert. Es ist eine besondere Form der Konzentration. Dadurch laufe ich allerdings auch Gefahr, die entstehende Überlastung nicht mehr wahrzunehmen. Flow kann daher einerseits Prävention als auch Vorstufe zu Burnout sein.

 

IN: 30 Stunden Flow, Buch von Jörg Zwicker, best-off-Verlag, Sept. 2016