Intra 29 – „Zeitlupe“, 1996

Rassismus-Enquete: Aus der Geschichte lernen?

Sind Rassismus und Antisemitismus mit dem Ende der NS-Herrschaft und des zweiten Weltkrieges aus Österreich verschwunden – wie das noch in den 70er-Jahren von Wissenschaftern behauptet wurde? Was ist dann aber der Nährboden, auf dem Ausgrenzung, Ausländerfeindlichkeit und Rechtsextremismus gedeihen und zu neuer politischer Relevanz gelangen? Und: Was haben wir dem entgegenzusetzen?
„Aus der Geschichte lernen, die Zukunft gestalten“ betitelt sich eine Enquete in Graz, die von 9. bis 11. Oktober 1996 versuchen will, dem Phänomen Rassismus auf die Spur zu kommen. In Zusammenarbeit mit vielen anderen Organisationen und Institutionen hat die ARGE Jugend gegen Gewalt, Rechtsextremismus und AulsänderInnenfeindlichkeit diese Arbeitstagung organisiert und nationale wie internationale ExpertInnen dazu eingeladen – u.a. Nora Räthzel vom Hamburger Institut für Rassismusforschung, Frans Mayer vom Interkulturellen Zentrum Amsterdam und die Duisburger Sprachanalytikerin Margarethe Jäger. Die beklemmende Zunahme von Fremdenhaß, Gewalt und rechtsextremistischen Strömungen und Haltungen in Österreich sind für die VeranstalterInnen Anlaß genug, sich mit diesem brisanten Thema intensiver auseinanderzusetzen. Denn: Rassismus als komplexes pseudowissenschaftliches und inhumanes System, um die Welt zu erklären, darf nicht verschwiegen, darf nicht ignoriert werden, sondern kann nur durch Toleranz, Demokratie und Auseinandersetzung zum Verschwinden gebracht werden, meinen die VeranstalerInnen. Die Enquete findet von 9. bis 11. Oktober 1996 im Grazer Exerzitienhaus statt. Interessenten sind gerne willkommen. Info, Detailprogramm und Anmeldung: ARGE Jugend gegen Gewalt, Rechtsextremismus und AusländerInnenfeindlichkeit, c/o Landesjugendreferat, Karmeliterplatz 2/I, A-8010 Graz. Tel.: (0316) 877-2907, Fax: (0316) 877-4388.

 

Singles aufgepaßt: Flirten will gelernt sein

Er lächelt hin, sie lächelt verschämt zurück – und das war´s dann auch schon. Sagen traut sich keiner etwas, und die Chance ist vertan. Kontaktaufnahme mit fremden Menschen, Flirten auf Teufel komm raus sind nicht jedermann/frau´s Sache. Doch dem kann Abhilfe geleistet werden. Im Partnerbüro von Regina Brandmayer und Robert Waldl werden nicht nur Erstkontakte vermittelt, sondern die Psychologin und der Fotograf bieten auch Flirtseminare an. Was nicht heißen soll, daß man hier bloß lernt, wie man verführerisch mit den Augenlidern klimpert, sondern es geht darum, Mittel und Möglichkeiten zu finden, wie man auf nette, unkomplizierte Art mit fremden Menschen in Kontakt kommt. „Unser Flirtseminar soll einen universellen Kommunikationsyanspruch abdecken“, meinen Brandmayer & Waldl. „Das heißt, man soll einfach lernen, wie man mit Menschen, die man interessant findet, ins Gespräch kommt. Ein Flirt muß nicht automatisch in einer Beziehung enden, oft reichen ein Lächeln, ein interessantes Gespräch, manchmal entsteht eine Freundschaft. Wesentliche Themen in den Wochenendseminaren sind Blickkontakt, Körpersprache, Eigeninitiative und Kreativität bei der Kontaktaufnahme. Auch die Angst vor Ablehnung soll genommen werden „Man darf eine Abfuhr nicht als persönliche Niederlage betrachten. Es kann viele Gründe haben, warum der andere nicht reagiert“. Infos: Daspartnerbureau, Schottenfeldgasse 46/22, A-1070 Wien. Tel.: (0222) 524-10-20.

 

Frauenleben: Projektserie in der Steiermark

Eineinhalb Jahre lang hatte sich ein Projektteam unter Mithilfe vieler Dutzend Frauen im ganzen Land mit dem Thema „Frausein in der Steiermark“ beschäftigt. Diskussionsveranstaltungen in allen steirischen Bezirken zu den verschiedensten Themen, interne Arbeitsgruppen und Diskussionen mündeten in eine bemerkenswerte Standortbestimmung der Politik für und von Frauen in der Steiermark. Die Lebensrealität von steirischen Frauen zu ergründen war ein Ziel des Projektes. „Frauenleben konkret“ – unter diesem Titel wurden in allen steirischen Bezirken von Frauenteams vor Ort Veranstaltungen organisiert. Dabei wurde von den betroffenen Frauen selbst als auch von Fachleuten zur Sprache gebracht, was bisher erreicht wurde, welche Probleme Frauen haben, was das Frauenleben schön macht und was sie zur Verbesserung ihrer Lebenssituation von der Politik, der Gesellschaft und der Wirtschaft fordern. Zusätzlich wurden breitgestreut Fach- und Qualifizierungsseminare angeboten. Die Themenpalette der Veranstaltungen reichte von Arbeit, Gesundheit, Partnerschaft und Alleinleben zu Rechtsfragen, historischer Frauenforschung und weiblichen Lebensräumen. Seinen vorläufigen Abschluß fand dieser Prozeß im Rahmen des Frauenleben-Kongresses in Graz im Juni. Die beeindruckende Sammlung von Vorschlägen, Fakten, Ideen und Diskussionsbeiträgen dieser Initiative ist in einer Dokumentation zusammengefaßt, die erhältlich ist beim Projekt „Frauenleben in der Steiermark“, Pfeifferhofweg 28, A-8045 Graz. Tel.: (0316) 69-20-97/0. Fax: (0316) 69-20-97/10.

 

Jahresprogramm: NLP-Ausbildung

Nach welchen Mustern läuft erfolgreiche Kommunikation ab, wie wirkt Sprache und wie sind innere Denkprogramme strukturiert? Das sind nur einige der Fragen, mit denen sich NLP (Neurolinguistisches Programmieren) auseinandersetzt. Entstanden ist NLP durch die genaue Beobachtung und Analyse der speziellen Fähigkeiten besonders erfolgreicher Menschen (Therapeuten, Lehrer, Manager, Verkäufer, etc.)und durch die Erforschung der effizientesten Weitervermittlungsmöglichkeiten an andere. Ein wichtiger Grundsatz ist die Überzeugung, daß jeder Mensch alle Fähigkeiten zur Bewältigug seiner Probleme bereits in sich trägt. Die Aufgabe des NLP-Anwenders ist, diese Potentiale verfügbar zu machen und lösungsorientiert einzusetzen. Das Institut für Strukturelle Wahrnehmung (ISW)unter der Leitung von Richard Hauser in Graz bietet seit langem Kurse und Ausbildungsmöglichkeiten für NLP-Interessierte an. Soeben ist das neue Jahresprogramm erschienen. Angeboten werden verschiedene Seminare vom Einführungskurs bis hin zum NLP-Practitioner und einer Trainer-Ausbildung. Weitere Schwerpunkte sind Selbsterfahrung, NLP-Konfliktmanagement und ein Trance-Aufbaukurs. Die Seminare starten ab Oktober in Graz, Wien und Linz. (s. a. IntraAktiv) Weiters beginnt im September der dritte Ausbildungszyklus für Cranio-Sakrale Therapie. Informationen und Anmeldung unter Tel.: (0316) 67 12 12 oder Fax: (0316) 67 12 42.

 

Sexualforschung: Freud & Reich lassen grüßen

Ein Stiefkind der Wissenschaft ist die menschliche Sexualität nach wie vor. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurde bereits im Jahre 1979 die Österreichische Gesellschaft für Sexualforschung (ÖGS)in Wien gegründet. Die ÖGS beruft sich in ihrer Tätigkeit auf eine vielfach in Vergessenheit geratene, aber in ihrem Engagement hochverdiente Tradition österreichischer Sexualwissenschaft, die untrennbar mit den Namen Sigmund Freud und Wilhelm Reich verbunden ist. Die Wiederbelebung, Erforschung und Weiterentwicklung dieser Forschungstradtition gehören zu den Grundanliegen der ÖGS. Die wissenschaftlich abgesicherte Erkenntnis, daß die kulturellen und sozioökomonischen Faktoren zu den entscheidensten gehören, die unser sexuelles Erleben und Empfinden beeinflussen und steuern, führt die ÖGS zu dem Anspruch, mittels sozial- und gesellschaftswissenschaftlicher Arbeit den durch und durch gesellschaftlichen Charakter von Sexualnormen und Geschlechtsrollenmerkmalen hervorzuheben und damit auch für deren Veränderbarkeit und Variationsbreite einzutreten. Die Erkenntnisse dieser Variationsbreite des Sexuellen in seinen Ausprägungen, seiner Historizität und Gesellschftlichkeit bedingen den Einsatz für größtmögliche Liberalität auf allen Gebieten der sexuellen Orientierung, der Erziehung von Kindern und Jugendlichen, der Empfängnisverhütung und Familienplanung sowie der Rechtsprechung und Strafbarkeit sexueller Tatbestände. Die ÖGS will – auf wissenschaftlicher Ebene – neben der Erforschung und Dokumentation von Störungsursachen u.a. auch die Erforschung der Bedingungen und Voraussetzungen soziosexueller Gesundheit forcieren. Dazu bedarf es einer breiten Zusammenarbeit verschiedenster humanwissenschaftlicher Disziplinen wie der Medizin, der Psychologie und Soziologie, der Psychoanalyse und der Ethnologie, die uns über den Zaun der eigenen Kultur zu blicken lehrt, um angeblich „Normales“ relativieren zu können. Vor kurzem ist auch die erste Ausgabe einer brandneuen Zeitschrift erschienen, die die ÖGS herausgibt: „Sexus“ beschäftigt sich mit Fragen der Sexualität in Wissenschaft, Kultur und Erziehung.
Informationen über Mitgliedschaft, laufende Projektarbeiten, sexualwissenschaftliche Veranstaltungen, Initiativen und Bewegungen sind erhältlich bei Mag. Dr. Rotraud A. Perner, 1. ÖGS-Vorsitzende, Fischerstiege 4/III, A-1010 Wien. Tel.: (0222)535 61 68.

 

IN: INTRA 29, ZEITLUPE, 1996