INTRA – Österreichbeiträge April 1998

Die Kraft der Berührung: Shiatsu in Österreich

Shiatsu ist eine anerkannte Methode ganzheitlich orientierter fernöstlicher Medizin, die sich mittlerweile auch in unseren Breiten durchgesetzt hat. Entwickelt aus den Techniken der traditionellen japanischen Massage und beeinflusst von vielen Erkenntnissen neuer ganzheitlicher Körpertherapien werden Hände Vermittler bei einem Gespräch ohne Worte. Durch die Harmonisierung unseres körpereigenen Energiesystems werden sowohl physische als auch emotionale und psychische Aspekte im Menschen angesprochen. Darüberhinaus will Shiatsu auch den Weg zu einer umfassenden Persönlichkeitsentwicklung weisen und wird zum Mittel für Meditation und Kommunikation. Wörtlich übersetzt bedeutet Shiatsu „Finger- bzw. Daumendruck“ Durch einfache Anwendung von Dehnungen, Rotationen und eben jenem Druck ist der Shiatsu-Practitioner in der Lage, das „Chi“ (Lebensenergie) in Bewegung zu bringen und dadurch die Selbstheilungskräfte des Empfängers zu mobilisieren.
Die Internationale Shiatsu Schule Österreich (ISSÖ) unter der Leitung des Psychologen Christian Schnabl bietet einen intensiven dreiteiligen Ausbildungszyklus zum Shiatsu-Practitioner an. Die Schule selbst ist Teil einer Gemeinschaft von Ausbildungsinstituten in Europa und Amerika und gilt als anerkanntes Ausbildungsinstitut des Österreichischen Shiatsu Dachverbandes und der European Shiatsu Federation.

 

17. Goldegger Dialoge: Genuß zwischen Wahn und Sinn

Die Goldegger Dialoge bilden gemeinsam mit den Begegnungen auf Schloß Goldegg seit vielen Jahren ein in Österreich einzigartiges Forum mit ausgezeichneten Fachleuten zu Fragen naturwissenschaftlicher und komplementärer Heilmethoden sowie einer aktiven Persönlichkeitsbildung und Lebensgestaltung. Es unterläuft das jahrelang gepredigte Motto: „Gesundheit ist lernbar“ mitnichten, wen heuer hinzugesetzt wird: …“aber genießen soll man das Leben auch!“ Vielleicht wurde bisher allzu sehr an die Lern- und Machbarkeit geglaubt: an die „ideologische Gesundheitsfalle“, von Medien diktiert, von Geschäftsmachern kalkuliert. Gesundheit ist in der Folge bei vielen in Streß ausgeartet. Abstruse Diäten und ihre fraglichen Erfolge bestimmen nicht nur den Smalltalk, sondern letztlich das Selbstwertgefühl. Genießen – und das ohne ständige Gewissensbisse – ist jedoch ein wesentlicher Aspekt unseres Lebens. Es stärkt sogar die psychische Widerstandskraft und damit unser Immunsystem. Eine Kaffee- bzw. Zigarettenpause kann eine „Insel“ im Leistungsdruck sein, ein Glas Wein bzw. eine Schokolade können zum Streßabbau beitragen. Genuß braucht jedoch nicht die Fülle, er kann auch im Einfachen liegen. Aber er bedarf der Zeit und des Maßes und: er steht nicht außerhalb jeder sozialen Verantwortung. Mit dem „Genuß zwischen Wahn und Sinn“ beschäftigen sich die 17. Goldegger Dialoge von 10. bis 13. Juni 1998 im Kultur- und Seminarzentrum Schloß Goldegg. Zu den geladenen Experten zählen u.a. Christoph Rueger (Berlin), Hilarion Petzold (Düsseldorf), Bernhard Ludwig (Wien), Barbara Rütting (Salzburg) und Jirina Prekop (Lindau). Zum Nachlesen wird auch heuer wieder ein Tagungsband erstellt. Neben den jährlich stattfindenen Goldegger Dialogen bietet das idyllisch gelegene Seminarzentrum Schloß Goldegg auch eine Fülle von weiteren Seminaren („Begegnungen“) zu verschiedenen Aspekten einer ganzheitlichen Lebensweise. Unter der Anleitung von ganzheitlich orientierten Medizinern, PsychologInnen und TherapeutInnen kann man physischen wie psychischen Leiden auf die Spur kommen, Lösungsansätze finden und vor allem die Selbstheilungskräfte stärken.

 

Working Paper: Scheidungsrisiko vererbbar?

Mit den langfristigen Auswirkungen von Scheidung auf erwachsene Kinder setzt sich das aktuelle working paper des ÖIF (Österreichischen Instituts für Familienforschung) auseinander. Literatur und Forschung haben bisher nachgewiesen, daß die Wahrscheinlichkeit, sich vom Partner zu trennen bei sogenannten Scheidungskindern größer ist als bei jenen Menschen, die keine Scheidung der Eltern erleben mußten. Das ÖIF nimmt diese globalen Ergebnisse der Scheidungsfolgenforschung genauer unter die Lupe. Eine Studie zeigte, daß „Scheidungskinder“ früher ihre erste Lebensgemeinschaft eingehen, später heiraten und selber ein größeres Scheidungsrisiko haben. Die Scheidungshäufigkeit ist deutlich im Steigen, wie folgende Zahlen beweisen: Von den heute 50-54jährigen ÖsterreicherInnen haben 7% die Scheidung ihrer Eltern erlebt, bei den 25-29jährigen sind es bereits 18%. Es gibt allerdings auch Gegenargumente bei der Frage der „Vererbbarkeit“ des Scheidungsrisikos: Scheidungen sind heute nicht mehr so ungewöhnlich und damit stigmatisierend wie früher. Das Lebens- und Entwicklungsalter des Kindes spielt eine wesentliche Rolle bei der Verarbeitung, und möglicherweise ist auch weniger die Scheidung an sich entscheidend für die psychosoziale Entwicklung, sondern vielmehr die damit verbundenen Spannungen und Streitereien in der Familie.
Es gibt einige wesentliche Faktoren, um die Scheidungsfolgen einzudämmen: So ist es in dieser Lebensphase besonders wichtig, auf die aktuellen Bedürfnisse des Kindes einzugehen und eventuell professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Eine offene Kommunikation sowie ein positiver Kontakt zu beiden Elternteilen wirken sich ebenso günstig auf die weitere Entwicklung des Kindes aus.

 

Die verdrängte Sucht: Gesellschaftsdroge Alkohol

„Alkohol ist die meistkonsumierte Droge in Österreich. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch beläuft sich auf rund 12 Liter reinen Alkohol, das sind im Schnitt 140 Liter Bier, 25 Liter Wein und Sekt sowie 7 Liter Spirituosen pro Kopf und Jahr“, erläutert Beate Latzka, Psychotherapeutin am Landesnervenkrankenhaus in Graz. Eine Ärztetagung in Bad Hofgastein brachte kürzlich weitere Zahlen ans Tageslicht: 300.000 ÖsterreicherInnen sind alkoholabhängig, rund 600.000 sind gefährdet. Ein Drittel aller ÖsterreicherInnen trinkt täglich Alkohol. Allein in der Steiermark sterben 2.000 Menschen jährlich an den Folgen des Alkohols. Und doch wird die Droge Alkohol nach wie vor verharmlost, gilt als schick und manchmal sogar als verpflichtend – man denke nur etwa an diverse Feiern, bei denen man um´s „Anstoßen“ kaum herumkommt. Doch Alkohol macht süchtig. Und die Folgen sind schrecklich: Es kommt zu Leberschäden, Störungen im Magen-Darm-Trakt, die intellektuelle Leistungsfähigkeit wird beeinträchtigt, im Nervensystem treten verschiedene Erkrankungen auf, die Koordination der Bewegungen wird zunehmend gestört. Alkohol setzt die Hemmeschwellen herab, die Selbstkontrolle geht verloren. „Chronische Alkoholiker haben um eine 15 Jahre geringere Lebenserwartung als der Rest der Bevölkerung“, so Latzka. Auch die Selbstmordrate bei Alkoholikern ist über 20 mal höher. Ein hoher Preis, um „in“ zu sein und nicht als Außenseiter zu gelten.Auf der Suche nach möglichen Ursachen findet Primarius Joachim Berthold, Suchtgiftbeauftragter des Landes Steiermark, den besten Nährboden in unserer heutigen Gesellschaft: „Wir leben in einer sehr konsumorintierten, oberflächlichen Welt. Nichts geht mehr in die Tiefe. Die Menschen sind kaum mehr belastbar.“ Alkohol beflügelt, enthemmt, macht stark – zumindest kurzzeitig. Natürlich möchte man dieses Gefühl beibehalten. Und da Alkoholkonsum nicht geächtet, sondern im Gegenteil in weiten Kreisen sogar imagefördernd ist, scheint der Griff zur Flasche fast natürlich. Rund 40 % der Alkoholiker stuft Berthold als „Angsttrinker“ ein: Ängste, aber auch psychische Probleme, Streß und Isolation sind Gründe für die heimliche Sucht. Denn, daß er oder sie Alkoholiker ist, will sich kaum jemand eingestehen: „Es wird angenommen, daß etwa 15 % der Menschen, die im Jahr ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen, alkoholabhängig sind“, erläuterte Elisabeth Schmidt vom Anton-Proksch-Institut. Nicht nur das: „Eine Studie hat ergeben, daß jeder fünfte Arzt selber Alkoholiker ist“, so Berthold.
Dabei liegt der erste Schritt weg von der Droge Alkohol im Eingeständnis der eigenen Sucht. Das und eine ausreichende Motivation sind die Grundpfeiler jeder Therapie. Stationäre Behandlung, Selbsthilfegruppen, Psychotherapie, aber auch Medikamente sind heute wichtige Eckpfeiler einer Behandlung. Die österreichweite Einführung der 0,5 Promille-Grenze für Autofahrer trägt sicher auch ein wenig zu einem gesellschaftlichen Umdenken bei, daß jedoch, was die Droge Alkohol angeht, noch in den Kinderschuhen steckt.

 

Novellierung gefordert: Psychologengesetz bereits veraltet

Sieben Jahre ist das derzeit geltende Psychologengesetz in Österreich alt und entspricht laut Österreichischem Berufsverband für Psychologinnen und Psychologen (BÖP) nicht mehr den aktuellen Anforderungen. So wurden bereits Gespräche mit der österreichischen Gesundheitsministerin sowie allen parlamentarischen Gesundheitssprechern geführt und eine Arbeitsgruppe installiert, die bis Mitte des Jahres konkrete Vorschläge zur Novellierung ausarbeiten wird. Vor allem drei Punkte stehen dabei an der Spitze des Forderungenkataloges: Eine präziser Definition der klinisch-psychologischen Behandlung und die Anerkennung derselben als Pflichtleistung der Sozialversicherung. Weitere Forderung: Eine präzisere Definition der Schweigepflicht. Vor allem im Jugendbereich haben MitarbeiterInnen oft Probleme mit der restriktiven und in der Praxis oft nicht handhabbaren Schweigepflicht, speziell, wenn es um Kindesmißbrauch geht. Schließlich wird derzeit auch die Möglichkeit zur Schaffung einer Körperschaft öffentlichen Rechts diskutiert. Eine Neuerung hat es mit Anfang des heurigen Jahres bereits gegeben: Seit Jänner 1998 ist das neue Suchtmittelgesetz in Kraft, und es kann nun psychologische Beratung und Betreuung als eine gesundheitsbezogene Maßnahme von Klinischen PsychologInnen durchgeführt werden.

 

IN: INTRA, April1998