Mister Nopl und seine Welt – Der Künstler Peter Schrittwieser

Sie kennen den „Nopl“? Den, der von sich sagt: „Ich heiße Nopl, weil ich nicht größer als ganz klein bin!“ Umgangssprachlich ist der Nopl ja tatsächlich ein Kleiner – aber in den letzten zehn Jahren ist er ein Großer geworden, denn er ist der Held einer Grußkartenserie, die der Künstler Peter Schrittwieser 2003 entworfen hat. Über 60 Motive zieren inzwischen die „Noplkarten“ – Nachdenkliches, Lebensweisheiten, Grüße, Wünsche. Und weil wir im Zeitalter von Handy und Internet leben, gibt es den Nopl längst auch zum Herunterladen und versmsen.

Peter Schrittwieser 10Doch Nopl-Papa Peter Schrittwieser hat noch einiges mehr zu bieten. Vielen ist der begnadete Zeichner und Karikaturist bekannt aus Tagespost, Wochenpresse und Kleiner Zeitung – durch seine kleinen feinen Strichzeichnungen, in die er humorvoll und satirisch seine Sicht der Welt packt. Schrittwieser führt eine feine Klinge, das Grobe, Derbe ist nicht sein Metier. „Ich mag es aufzudecken, dahinter zu schauen, aber immer mit einem versöhnlichen Unterton – es soll schließlich allen Spaß machen“, so seine Devise. Außerdem liebt er die Kombination mit Wortspielen, „das ist meine Spezialität“.

 
Behutsam mit feiner Klinge

Peter Schrittwieser ist ein unermüdlich Schaffender. Seit 30 Jahren gibt es die Schrittwieser-Karikaturen und Comics bereits. Seit 15 Jahren residiert der Künstler, der ursprünglich aus dem Mürztal stammt, in der Grazer Innenstadt. In seinem kleinen, bis an die Decke vollgestopften, bunten Atelier, umgeben von Zeichnungen, Skulpturen, Büchern, Stiften, Schnitz- und Zeichentischen – kreatives Chaos soweit das Auge reicht.

 

Peter Schrittwieser 13„Ich hab immer schon gerne gezeichnet und geschnitzt“, plaudert Schrittwieser aus seinen Anfängen. Eine spezielle Ausbildung hat er nie absolviert, „das war damals nicht so üblich“. Er ist Autodidakt, hat als „kleiner Nopl“ schon Fachbücher gelesen und Eigenstudien betrieben. In den 70er Jahren ist er dann bei „Konsum“ in der Werbeabteilung gelandet und hat sich dort mit Kulissen, Flugblättern, Dekoration und anderem seine Sporen verdient. Danach ging es direttissima in die Selbständigkeit. „Mein Berufsweg hat sich von selbst so ergeben, ohne groß geplant zu sein“, meint er. Das einzige Ziel sei es gewesen, künstlerisch zu arbeiten. Heute trägt er längst offiziell den Titel „freiberuflich tätiger bildender Künstler“.
„Ich bin eher ein gemütlicher Typ, muss nicht die große Karriere machen und ständig im Rampenlicht stehen. Die Arbeit muss Spaß machen“, das ist sein Kriterium. Und das hat bis heute seine Gültigkeit behalten.

 

Unterricht mit Leidenschaft

Peter Schrittwieser, mittlerweile 64, zeichnet und schnitzt noch immer mit Begeisterung und Leidenschaft. Schließlich gibt es da noch seine „Atelierklassen“, die er seit 1998 leitet. Daran hängt sein ganzes Herz. Hier bietet er ganzjährig Kurse in Zeichnen, Malen und Schnitzen, privat und aber auch über Volkshochschule und Urania. Seine Kurse sind beliebt und gut besucht, sie finden allesamt in seinen Künstlerstübchen statt. „Die Atmosphäre hier ist einfach eine andere, es ist gemütlich und kreativ, es gibt Musik und Kaffee…“. Und das Unterrichten scheint ihm im Blut zu liegen. Da funkeln die blauen Augen und er strahlt, wenn er berichtet: „Ich versuch einfach, jedem zu helfen, jeder ist anders, hat einen anderen Zugang zur Kunst, man muss die Individualität wahrnehmen.“

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Er hat als erster in seinen Kursen nicht nur auf Aktzeichnen gesetzt, sondern auch auf Grundlegendes wie Materialkunde. Seine Vision: Viele Begriffe vermitteln, mit denen man arbeiten kann – Farbe, Schattierung, Größe, Kontrast….
Neben seinen Kursen, die tagtäglich mehrere Stunden in Anspruch nehmen, liegt sein Augenmerk auf Auftragsarbeiten. „ Ich mache Portraits, Reliefs, Skulpturen, besonders beliebt sind private Karikaturen – weil sie persönlich sind und originell“.

 

 

Woher kriegt er seine Ideen, will ich abschließend wissen, nach so vielen Jahren Künstlerleben. „Kreativität hat mit Logik und Phantasie zu tun“, so Schrittwieser. Es brauche das Wissen um Gesetzmäßigkeiten und dann komme die Idee dazu. „Die Grundidee kommt meist spontan, dann kann die Arbeit auch in drei Minuten fertig sein. Manchmal probiere ich herum, sammle Einfälle, verbessere ein wenig, aber in längstens vier Stunden ist die Karikatur vollendet. Auf den Punkt.

Und dann springt er auf, der Schrittwieser, und zeigt mir seine Holzskulpturen, die er nur so für sich gemacht hat: „Der Kuss“ und „die Schnecke“ oder die „Zwiderwurzen“. „Dafür hätt ich gern noch mehr Zeit, dass ich meine eigenen Sachen machen kann“, seufzt er. Die Ideen werden ihm so schnell wohl nicht ausgehen.

IN: KLIPP, 2013