Neue Wohnkultur für Studenten

Sie kommen von überall her, die Studenten, die in der Universitätsstadt Graz eine neue Bleibe suchen. Sie wollen hier ihr Studium absolvieren, meist mit wenig Geld in der Tasche, und eines ihrer Hauptprobleme zu Anfang lautet: Wo werde ich wohnen?

Die WIST Steiermark hat hier Abhilfe geschaffen: Seit Jahren schon baut sie als gemeinnütziger Verein Studentenwohnhäuser in Graz, die nicht nur durch ihre avantgardistische Architektur und die praktische Wohnraumgestaltung von sich reden machen, sondern auch durch ihr ausgezeichnetes Kulturangebot.
WIST steht übrigens für „Wirtschaftshilfe für Studenten Steiermark“ und ist ein Verein, der 1987 aus der WIHAST hervorging. Die WIHAST (Wirtschaftshilfe für Arbeiterstudenten Österreichs) wurde 1923 gegründet, um die schwierige materielle Lage von Studierenden aus Arbeiter- und Bauernfamilien zu erleichtern. Seither haben sich in vielen Bundesländern selbständige Landesvereine wie die WIST Steiermark entwickelt, die sich allesamt dem Bau von Studentenheimen verschrieben haben. Mit Subventionen und Förderungsmitteln von Land und Bund werden laufend Wohnhäuser errichtet. Über 25 Heime gibt es derzeit in ganz Österreich, vier davon in der Steiermark, allesamt in Graz.

Auch wenn die offizielle Eröffnung durch Bürgermeister Alfred Stingl erst jetzt am 26. Mai erfolgt – bewohnt wird das neueste Grazer WIST-Wohnhaus in der Moserhofgasse 34 bereits seit Ende des Vorjahres. Über 150 Studentinnen und Studenten haben hier ein neues Zuhause gefunden. Sie leben in selbständigen kleine Wohngemeinschaften zusammen, meist mit einem kleinen Balkon oder Gartenanteil. Vorbei sind die Zeiten der schmalen dunklen Flure, in denen man anonym in sein enges Kämmerlein schlurfte. Das Wohnheim besticht durch seine moderne Transparenz, die viel Luft und Licht einfängt. Musikproberäume, eine Tiefgarage, ein Zeichensaal und ein Seminarraum gehören hier ebenso zur studentischen Selbstverständlichkeit wie eine Cafeteria und ein eigener Partyraum, der nächtliche Ruhestörungen auf ein Mindestmaß eindämmen soll. Das ganze Haus ist außerdem EDV-vernetzt, wer will kann sich dadurch leicht ins Internet einklicken. Daß auch an behinderte Menschen und an Familien mit kleinen Kindern gedacht wurde, zeigen die entsprechend ausgestatteten Wohneinheiten. Der hauseigene Veranstaltungssaal, der Ende April mit einem Konzert des österreichischen Jazzmusikers Karl Ratzer eingeweiht wurde, soll auch künftig mit einem abwechslungsreichen Kulturprogramm aufwarten.

Daß in den WIST-Heimen Wohnen und Kultur großgeschrieben werden, hat das „alte“ WIST in der Wienerstraße schon zu Genüge bewiesen. Auch dort befindet sich ein extravagantes Studentenwohnhaus, das die WIST vor rund fünf Jahren eröffnet hat. Fitneßraum und Fotolabor, Sauna und Kinderspielplatz wurden bereits damals für die Studenten miteingeplant. Der angeschlossene Rote Saal hat sich mittlerweile mit seinem anspruchsvollen Programm zwischen Jazz, Kleinkunst, Hardrock und Tango Nuevo einen Namen gemacht. Auch die Tanz- und Theaterszene hat den Roten Saal längst für sich entdeckt. Den neuen Saal in der Moserhofgasse teilt sich WIST-Geschaftsführer und -Kulturveranstalter Christian Laufer nun mit der Musikhochschule, die gleich gegenüber beheimatet ist.

Und es soll nicht mehr lange dauern, dann werden in Graz noch zwei weitere WIST-Studentenwohnhäuser eröffnet: In unmittelbarer Nähe des Hauses in der Moserhofgasse 34 entsteht ein weiteres Heim, ebenso in der Ghegagasse in Graz. Beide sollen mit Herbst 1997 bezugsfertig sein. Für letzteres sind übrigens noch Wohnplätze zu vergeben. Information und Anmeldung unter Tel.: (0316) 83 66 66-0

 

IN: SAMSTAG, Mai 1997