Plötzlich allein – So bekommen Sie Ihr Leben wieder in den Griff

Über 25 Jahre hat Anna (52) mit ihrer Familie zusammengelebt. Die gemeinsame Tochter ist aus dem Haus, von der Ehe nicht mehr viel übrig. Dann hat auch noch ihr Mann seine Koffer gepackt und ist ausgezogen. Die Scheidung ist eingereicht. Anna fällt in ein Loch. Sie, die immer für die Familie da war, für andere gekocht, geputzt und das Haus in Schuss gehalten hat, ist plötzlich auf sich allein gestellt. Die Einsamkeit drückt schwer, Anna weiß nicht, wie sie ihre Zeit nun gestalten soll. Sie wünscht sich wieder einen Partner an ihre Seite.

Sich Zeit geben: Vom Zusammenleben zum Alleinleben – das ist eine gewaltige Umstellung. Dafür sollte man sich auch Zeit lassen. Nichts ist mehr, wie es war. Das Leben muss neu definiert, neu gestaltet werden. Das geht nicht von heute auf morgen. Aber es ist auch eine große Chance. Eine Zeit der Besinnung, der Neuorientierung. Sehen Sie diese Zeit als Herausforderung. Nichts im Leben bleibt unverändert, wir können nichts festhalten. Wir können nur lernen, mit einer neuen Situation umzugehen. Vielleicht haben Sie bisher immer nur für andere gesorgt. Dann ist es nun vielleicht an der Zeit sich um sich selbst zu kümmern. Zu lernen wie man gut für sich selbst sorgen kann. Anna fragt sich vielleicht zu ersten Mal, wer sie eigentlich ist, was sie will im Leben – sie, ganz für sich allein.

Was kann ich tun? Wer sein Alleinleben nur als unerwünschte Notsituation ansieht, die es so schnell wie möglich zu ändern gilt, bringt sich um wertvolle Lebenserfahrungen. Es nützt nicht viel, wenn man hektisch auf die Suche geht nach einem neuen Partner. Oder sich in Warteposition begibt – irgendwann wird mein Glück schon wieder kommen. Es gilt sein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sich zu fragen: was will ich, was macht mich glücklich? Was kann ich jetzt und hier und heute tun, damit es mir besser geht?

Aktiv werden: Je eher man eine unabänderliche Situation akzeptiert, desto weniger schmerzvoll wird es sein. Nehmen Sie die Dinge an, so wie sie jetzt nun einmal sind. Sie leben allein? Was müssen Sie tun, damit dieses Leben so gut wie möglich ist? Brauchen Sie Gesellschaft? Laden Sie Freunde, Verwandte ein. Treffen Sie sich mit Arbeitskollegen, ehemaligen Schulfreundinnen. Gehen Sie unter Menschen. Nicht weil Sie auf der Suche sind, sondern weil sie gerne in Gesellschaft sind.

Träume verwirklichen: Wofür hat Ihnen bisher immer die Zeit gefehlt? Wovon haben Sie immer geträumt? Gibt es Freizeitbeschäftigungen, die Ihnen Freude bereiten könnten? Welche Fähigkeiten sind bisher ungenutzt geblieben? Engagieren Sie sich in Vereinen, in der Kirche, in der Nachbarschaftshilfe. Kaufen Sie die Bücher, die Sie immer schon lesen wollten. Nehmen Sie alte Kontakte wieder auf, die im Lauf der Jahre eingeschlafen sind. Finden Sie heraus, was ihre Bedürfnisse sind. Lernen Sie ihr Leben zu genießen, auch wenn Sie alleine leben. Denn das ist die beste Voraussetzung, um dann auch mit einem anderen glücklich zu werden.

 

Leserbriefanfrage

Problem: Ich lebe schon länger allein in einer großen Wohnung. Nun möchte ich umziehen, da ich in meinem Heimatort ein Haus geerbt habe. Der Ort ist fast 200 km entfernt, das Haus sofort zu beziehen. Allerdings: Wie organisiere ich das? Wer hilft mir? Ich fühle mich völlig überfordert, allein bei dem Gedanken daran. Sabine G. (62), aus Bremen

Lösung: Ein Umzug, noch dazu in eine andere Stadt, ist immer eine große Sache und will gut geplant und vorbereitet werden. Entscheidend ist natürlich, ob man sein ganzes Mobiliar mitnehmen möchte oder ob es sich „nur“ um Kleidung, Bücher, den ganzen Hausrat handelt. Das einfachste wäre sicher eine Umzugsfirma zu beauftragen. Dennoch fallen noch genug Dinge an, die zu bedenken sind, wie diverse Behördenwege, Ab- und Anmeldungen (Wasser, Strom, Post etc.). Fragen Sie Familienmitglieder und Freunde, wer ihnen wobei behilflich sein kann. Bei einem Umzug ist ein Netz an verlässlichen Helfern unerlässlich. Machen Sie sich vorweg eine Liste mit all den Dingen, die zu tun und zu bedenken sind. Überlegen Sie, wer was davon machen könnte und erstellen Sie einen groben Zeitplan. Fangen Sie an auszusortieren, was Ihnen wichtig ist und was sie mitnehmen möchten. Den Rest spenden sie einer karitativen Einrichtung oder veranstalten einen Wohnungsflohmarkt.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2013