Sammeln Sie Genussmomente

… denn laut Konstantin Wecker: „Wer nicht genießt, ist ungenießbar“.

Wann haben Sie zuletzt etwas so richtig genossen? Wie? – Keine Zeit? Unnötiger Luxus? Überflüssig? Keine Ahnung? Darf man das?

Na dann, es wird dringend Zeit, sich (wieder) etwas mehr Genuss ins Leben zu holen. Denn: Wer genießen kann, lebt nicht nur besser, sondern auch gesünder. Genießen hebt die Stimmung, steigert die Wahrnehmung und die Produktivität. Genießen zu können und sich Zeit für Genuss zu nehmen erhöht die Lebensqualität und macht glücklich. Genießen hält uns gesund –  denn wir lenken dabei unsere Aufmerksamkeit bewusst auf Positives und lernen Bedürfnisse und Gefühle (wieder) stärker wahrzunehmen.

Unser Leben bietet viele Gelegenheiten zum Genießen: die heiße Dusche nach dem kalten Winterspaziergang, ein Tee oder Kaffee in Ruhe genossen, ein vertrautes Gespräch mit einem Freund, das Geräusch von Regentropfen auf dem Dach. Meist aber sind wir viel zu beschäftigt und eingespannt ins Alltagshamsterrad, um all die Sinneseindrücke bewusst zu verarbeiten, die uns Genuss bereiten können. Unsere Gedanken kreisen zwischen Problemen, Terminen, Aufgaben, Vergangenem, Zukünftigem – und schon ist der mögliche Genussmoment wieder vorbei.

Dabei ist ein Mensch, der genießen kann, emotional ausgeglichener, leistungsstärker und stressresistenter. Sagt einer, der es wissen muss: Genussforschers Dr. Rainer Lutz  von der Universität Marburg. Seine „sieben goldenen Genussregeln“ gelten mittlerweile als Klassiker. Sie liefern konkrete Anregungen und sind noch dazu einfach zu beherzigen.

  1. Genuss braucht Zeit

Genuss funktioniert nicht auf Knopfdruck, sondern braucht Zeit, um sich zu entwickeln. Um genießen zu können, ist es nötig, einmal kurz innezuhalten, sich Pausen zu schaffen und bewusst alle Sinne zu aktivieren. Die Pausen müssen nicht lang sein, manchmal genügt ein Moment – um die Sonnenstrahlen auf der Haut wahrzunehmen oder den Duft von frisch gemahlenem Kaffee. Und das unterbricht wunderbar die Hektik des Alltags.

  1. Genuss muss erlaubt sein

Nicht jeder Mensch hat gelernt, genießen zu dürfen. Wenn Erziehung und gesellschaftliche Haltung den Genuss tabuisieren oder bestrafen, kann sich keine Genusskompetenz entwickeln. Aber: Genussfähigkeit kann gelernt und soll auf gesunde Art und Weise erlebt werden. Genuss ist letztlich ein positiver Sinneseindruck, der eng mit körperlichen Empfindungen verbunden ist – wir sehen, schmecken, riechen, fühlen etwas. Genuss hat jedoch auch mit Geist und Seele zu tun: Wir stellen uns ein schönes Ereignis vor, erinnern uns an etwas Herrliches, das wir erlebt haben.

  1. Genießen geht nicht nebenbei

Genuss braucht Aufmerksamkeit. Um genießen zu können, muss man sich auf den Genuss konzentrieren. Multitasking ist der erklärte Feind des Genusses. Gleichzeitig essen und fernsehen und lesen und telefonieren verhindert jegliches Genusserleben. Versuchen Sie es: Konzentrieren Sie sich für einen Moment nur darauf, was Sie gerade riechen oder sehen. Erinnern Sie sich an einen Moment im letzten Urlaub, den Duft von frisch gemähtem Gras oder den Geschmack eines köstlichen Gerichts. Schenken Sie dem Schönen Aufmerksamkeit!

  1. Genuss ist individuell

Menschen haben verschiedenen Vorlieben und Abneigungen, die sich im Laufe des Lebens verändern können. Man sollte seine Vorlieben kennen und wissen, was einem gut tut.

Finden Sie heraus, was Sie gerne mögen und leben Sie danach – der eine geht gerne auf den Berg, ein anderer liegt lieber in der Sonne oder fährt Rad. Manch eine mag Rucola, die andere lieber Vogerlsalat oder rote Rüben. Im Zweifelsfall: einfach ausprobieren!

  1. Weniger ist mehr

Was wir mögen, hätten wir meist gerne unbegrenzt und rund um die Uhr zur Verfügung. Vieles können wir jedoch nur schätzen, wenn wir es nicht jeden Tag haben. Konsum schließt Genuss aus. Das Riesenbuffet lockt nur solange wir hungrig oder gustrig sind. Täglich zwei Tafeln Schokolade ist schnell kein Genuss mehr. Genuss heißt Beschränkung. Sich bewusst etwas gönnen, ohne ins Zuviel zu verfallen.

  1. Genuss ist alltäglich

Um zu genießen, bedarf es keiner besonderen Anlässe. Genussmomente finden sich immer und überall und müssen „nur“ wahrgenommen werden – z. B. ein Lächeln, ein schönes Lied, ein Danke, eine herrliche Aussicht … Warten Sie nicht auf`s Wochenende, den Feierabend oder den Urlaub – genießen Sie jetzt!

  1. Genuss braucht Erfahrung

Je besser wir differenzieren können, desto höher der Genuss. Der Wein- oder Käseliebhaber wird es bestätigen: Genusserlebnisse differenziert wahrnehmen zu können, befähigt einen, genau zu wissen, was man will und gezielt Geschmacksnuancen auszuwählen.

Schmecken Sie die feinen Unterschiede, spüren Sie, welche Materialien sich auf Ihrer Haut besser anfühlen, wann Sie sich wohler fühlen. Genuss hat immer auch etwas mit Erfahrung zu tun.

 

Anregung für Genussmomente

  • In Ruhe frühstücken
  • Nach einem Winterspaziergang eine heiße Tasse Tee trinken
  • Den Duft von frischem Gebäck riechen
  • Ein Mittagsschläfchen machen
  • Den Tisch mit einem Blumenstrauß schmücken
  • Ein Stückchen Schokolade im Mund zergehen lassen
  • Den/die Liebste/n ganz fest umarmen und halten
  • Ein Bad nehmen mit duftendem Badeöl
  • Sich eine Massage gönnen

 

IN: KLIPP, Dezember 2016