Schilcherkunde

die steiermark zeichnet sich aus durch zwei ganz besondere weinspezialitäten: den schilcher und den schilcher. das eine ist ein edler tropfen, für den unseren weinbauern lob und anerkennung gebührt – von dem soll hier nur am rande die rede sein. der andere schilcher ist weniger bekömmlich. der tropfen, durch zu heftigen genuss hervorgezaubert, ist eher salziger natur. er zählt zu einer völlig anderen weinart und kullert zur zeit von den wangen vieler, vieler volksschullehrerinnen. haben sich die ehrenwerten pädagoginnen jetzt etwa dem suff verschrieben? mitnichten. sie haben bloss vom schilchertypus II unfreiwilligerweise zuviel abgekriegt – und nun gibt´s eben die schilcher-weinkrämpfe.

hat der nette schilcher II doch erklärt, zuviel frau in unseren schulen sei für den nachwuchs ungesund. von nun an sollte man (am besten nur?) mehr lehrer einstellen. „die ehrgeizigen volksschullehrerinnen könnten sich auf den heimischen herd beschränken“ – ein bescheidener eigener vorschlag. dann gäbe es gewiss weniger „verwahrloste“ kinder und wir hätten viele hübsche neue arbeitsplätze für unsere arbeitslosen junglehrer. natürlich müßte schärfstens verhindert werden, dass so ein schmarotzer dann auf die idee kommt, bei der geburt eines kindes in väterliche karenz zu gehen. andererseits wäre dem ohnehin vorgebeugt, denn wenn die frau mama „keine“ arbeit hat, kann schließlich der herr papa eh nicht daheim bleiben. damit wäre das problem doch ein für allemal gelöst. und die volksschullehrerin a.d. könnte sich mit genuß dem anfangs erwähnten schilcher vom ersten typ hingeben.

 

IN: WOCHENPOST, 1990