So knüpfen Sie neue Freundschaften

Wir sind soziale Wesen. Wir leben in Beziehungen, mit Kindern, Eltern, Verwandten, Freunden, Kollegen. Eigentlich. Tatsächlich aber ist Einsamkeit ein großes Thema in unserer Gesellschaft. Anna (42) zB ist seit vielen Jahren Single. Sie arbeitet ganztags und versorgt nebenbei ihre pflegebedürftige Mutter. Anna fühlt sich oft einsam, wenn sie abends müde und erschöpft vorm Fernseher sitzt. Oder Gerlinde (55), die in ihrem Häuschen am Stadtrand lebt. Sie ist aus beruflichen Gründen hierher gezogen, hat noch keine Freunde gefunden. Sie geht selten aus und fühlt sich sehr allein. Herbert (72) ist Witwer. Er hat immer nur für seine Familie gelebt. Die einzige Tochter ist mit ihrem Mann nach Südamerika gezogen. Der Kontakt ist herzlich, aber nur spärlich. Herbert ist in Pension und lebt völlig zurückgezogen.

Wachsende Anonymität: Obwohl es scheint, als hätten wir heute mehr Möglichkeiten denn je, miteinander in Kontakt zu kommen, ist das Gefühl von Einsamkeit weit verbreitet. Partnerschaften zerbrechen, zurück bleiben oft verzweifelte Singles, Alleinerziehende, die sich aus der Gesellschaft ausgeschlossen fühlen. Die Anonymität in den Städten, der moderne Berufsalltag, der uns wenig Zeit lässt für die Pflege unserer Beziehungen, Fernseher, Computer, Internet, die dazu verlocken sich in den eigenen vier Wänden zu verkriechen – Ursachen gibt es wohl viele.

Einsamkeit ist keine Schande: Wer sich einsam fühlt, empfindet dies oft als Makel, als Zeichen von Schwäche. Dahinter steckt die Angst: Bin ich nicht liebenswert? Stimmt etwas nicht mit mir, dass sich keiner mit mir abgeben will? Man gibt sich selbst die Schuld, das Selbstvertrauen leidet. Das macht es noch schwerer, Kontakte zu knüpfen. Dennoch ist es unsere Aufgabe, etwas dagegen zu unternehmen! Niemand kann uns das abnehmen. Wer raus will aus der Einsamkeitsfalle, der muss aktiv werden. Aber keine Sorge: das lässt sich trainieren!

Gehen Sie auf Menschen zu: Wer Menschen kennenlernen will, der muss raus aus seinen trauten vier Wänden. Das heißt, wir müssen unsere Ängste und Unsicherheiten überwinden, unsere Komfortzone vorübergehend verlassen. Das kann man üben: Fangen Sie klein an und erwarten Sie nicht, dass Sie morgen schon dicke Freunde oder den Traumpartner gefunden haben. Der kleinste Schritt: nehmen Sie Kontakt auf, fragen Sie andere nach der Uhrzeit, nach dem Weg, machen Sie Komplimente. Bedanken Sie sich bei der Verkäuferin, die Sie gut beraten hat. Grüßen Sie den Buschauffeur. Die Welt ist voller Menschen, die gerne ein Gespräch aufnehmen.

Zeigen Sie Interesse: Viele haben Angst, dem anderen zu zeigen, dass sie ihn gern kennenlernen möchten. Ja, wenn zwei solche Exemplare aufeinander treffen, werden sie wahrscheinlich nie zueinander kommen. Also, nehmen Sie ihren Mut zusammen, riskieren Sie etwas, sprechen Sie Ihr Gegenüber an: Ich möchte dich gerne auf einen Kaffee einladen. Oder: Ich gehe gerne nach der Arbeit spazieren, mögen Sie mich vielleicht einmal begleiten? Versuchen Sie es mit kleinen Schritten. Ein Lächeln, ein kleine Geste, ein freundliches Wort. Denken Sie daran: Wir alle brauchen soziale Kontakte, Nähe, ein Miteinander. Wagen Sie den ersten Schritt!

 

Leserbriefanfrage

Problem: Mein Arzt sagt, ich brauche mehr Bewegung, meine Blutwerte sind schlecht, ich sollte abnehmen, schaffe es aber nicht. Ich bin nach einem anstrengendem Arbeitstag abends einfach zu müde, um mich noch zu irgendetwas aufzuraffen. Wie kann ich mich zu mehr Bewegung und einem gesünderen Lebensstil motivieren?
Susanne B. (49), aus Dortmund

Lösung: Zunächst einmal sollten Sie überlegen, was macht mir Spaß? Bin ich gerne im Freien, bewege ich mich lieber in der Gruppe, alleine oder zu zweit? Mag ich Ballspiele, Bewegung zu Musik, brauche ich eher Entspannendes oder will ich mich auspowern? Was habe ich früher gerne gemacht? Und gibt es Freundinnen, Kolleginnen, mit denen ich mich gemeinsam aufraffen und gegenseitig anspornen könnte? Vielleicht können Sie einem Verein beitreten, wo Sie Gleichgesinnte finden. Wer gar keine Ahnung hat, was ihm gut tut, probiert einfach aus – fast überall kann man Schnupperstunden vereinbaren. Und wer sich fixe Termine setzt, am besten gleich nach der Arbeit, noch bevor man nach Hause kommt, tut sich leichter beim Einhalten. Fangen Sie langsam an, beginnen sie mit kleinen Schritten, ein Fixtermin in der Woche reicht. Der Erfolg wird sich bald einstellen und für weitere Motivation sorgen.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2013