„Trendumkehr – Frau in den besten Jahren sucht jüngeren Mann fürs Leben“

„Flotter Endfünfziger sucht attraktive, schlanke Partnerin (bis 35) für den gemeinsamen Lebensweg. Eigenheim vorhanden.“ Klingt doch nett. Oder? Und ganz normal.
Was aber, wenn wir lesen: „Flotte Endfünfzigerin sucht attraktiven, schlanken Partner (bis 35) für den gemeinsamen Lebensweg. Eigenheim vorhanden.“ Was geht da in unseren Köpfen vor?

Klassische Liebes- und Lebensbeziehungen zwischen Mann und Frau haben bis dato so funktioniert, dass der Mann um einige bis unüberschaubar viele Jahre älter sein durfte und sollte als seine Partnerin. Generell galt: Je mächtiger, berühmter und finanzkräftiger der Mann, desto jünger die Frau an seiner Seite.

Wenn Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy (56) mit seiner Carla (43) in den Medien auftaucht, dann sicher nicht, weil sie 13 Jahre jünger ist als er. Ist schließlich nichts Besonderes. Auch Lothar Matthäus (50) hatte mit Liliana (24) eine Partnerin gefunden, die unaufgeregte 26 Jahre jünger ist. Fatma Carina (27) zählt gleich einmal 30 Lenze weniger als Ehemann Dieter Bohlen (57). Nur schlappe 18 Jahre trennen Ex-Beatle Paul McCartney (69) und Ehefrau Nancy (51). Und wenn sich Politiker Franz Müntefering (71) mit der 40 Jahre jüngeren Michelle (31) zusammentut, dann finden wir das doch schön, dass er jetzt eine so hübsche, passende Partnerin gefunden hat. Alles bestens, da ist die Welt in Ordnung.

Was aber, wenn die Partnerin älter, ja vielleicht sogar viel älter ist? Darf das denn sein? Demi Moore (49) zeigt mit Ehemann Ashton Kutcher (33) medienwirksam, wie man die Regel brechen kann, der zufolge der Mann gefälligst der Ältere zu sein hat. Aber das kennen wir ja, die Künstler sind halt so und müssen manchmal mit ungewöhnlichen Aktionen auf sich aufmerksam machen. Aber wenn sich jetzt Ina Müller (48) mit Johannes Oerding (30) und Simone Thomalla (48) mit Silvio Heinevetter (27) und Barbara Becker (45) mit Arne Quinze (41) zusammentut, sprengt das nicht schon ein bisschen den Rahmen des Erlaubten?

Bis dato vielleicht. Denn tatsächlich sind diese klassischen Altersregeln schon Schnee von gestern. In den letzten Jahrzehnten hat sich nämlich fast unbemerkt, aber stetig ein neuer Trend eingeschlichen: Der Mann in der Beziehung darf auch mal um einige Jährchen jünger sein.
Fängt man an, sich umzuhören, finden sich tatsächlich mehr Paare als vermutet, bei denen der Mann gleich alt, jünger, sehr viel jünger ist. Auch in diversen Internetforen wird diese Altersverschiebung heftig diskutiert. Bange Fragen, ob und wie lange das wohl gut gehen könne, wechseln hier mit gröberen Beschimpfungen ob der Perversität (natürlich der Frau) und den sachdienlichen Hinweisen, dass bis zu drei Jahre jünger ja noch okay seien, aber ein Mann, der zehn oder mehr Jahre jünger ist – igitt! Andererseits spiegeln viele Berichte von glücklichen, zufriedenen Paaren eine Konstellation wider, die keineswegs neu, durchaus aber von Dauer sein kann.

So meint beispielweise Elena (43): „Ich konnte bisher keine Unterschiede feststellen. Als mein Mann (35) und ich uns kennenlernten, beschied meine Schwiegermutter in spe weise, dass Männer ja eh meistens zehn Jahre weniger leben als Frauen (sie erkannte also quasi einen praktischen Nutzen ….) und damit war es dann nie wieder ein Thema.“

Sabine (52) erzählt: „Mein Mann ist knapp vier Jahre jünger als ich, das ist aber, glaub ich, nichts Besonderes. Die Großeltern meiner Freundin waren allerdings 12 Jahre auseinander.
Sie machte bereits Abitur, als er in die Schule kam. Noch dazu war er um einen ganzen Kopf kleiner als sie. Er sah aus wie ein ungarischer Bauer – klein, rund, immer lachendes Gesicht – sie war eine große, hagere, ernste Person. Sie sind noch mit achtzig mit dem Motorrad zu Geburtstagsfeiern gekommen. Ähm – SIE war achtzig, er entsprechend jünger“.

Und Simone (28) befundet: „Tja, offenbar ist es Frauen auch heute noch nicht erlaubt, die Regel zu
durchbrechen, die da lautet: Der Mann hat älter, größer, schlauer und reicher zu sein als seine Frau“.

Auch Elke (61) kennt genug Beispiele in ihrem Umfeld: „Angesichts der höheren Lebenserwartung von Frauen finde ich eine solche Konstellation ziemlich schlau. Meine Freundin, die einen jüngeren Mann hat, sagt, dass er sie schließlich später noch im Rollstuhl rumschieben können muss. Der zweite Mann meiner Tante ist 12 Jahre jünger als sie, und ihre Tochter tat es ihr nach und wurde mit 33 von einem 19-Jährigen schwanger – sind heute noch zusammen, seit 18 Jahren“.

 

Wie die Yoko-Paare „erfunden“ wurden

 

Die Journalistin und ehemalige Hamburger Kultursenatorin Dana Horáková (64) hat 2009 ein Buch herausgegeben („Wenn Frauen jüngere Männer lieben…“), in dem sie nicht nur über ihre eigenen Erfahrungen aus einer langjährigen Liebesbeziehung mit einem knapp zehn Jahre jüngeren Mann berichtet, sondern auch gleich einen Namen für diese Paare kreiert hat. „Mein größtes Problem beim Schreiben dieses Buches war die Tatsache, dass es für die Ältere-Frau-liebt-jüngeren-Mann-Beziehung keinen Namen gibt… Die Erfahrung lehrt, dass das, was keinen Namen hat, nicht wirklich existiert“. Dana Horáková fackelte nicht lange und bezeichnet diese Paare – nach einem intensiven Gespräch mit der Künstlerin Yoko Ono (78), der Witwe von John Lennon – als Yoko-Paare (YOung Kisses Old). Immerhin zählten „Lenono“ zu einem Vorzeigepaar, dass in seinem Zusammenleben konsequent jegliche Regeln brach – er sieben Jahre jünger, der umjubelte Beatle, der Star schlechthin, sie anfangs eine noch unbekannte, Medienberichten zufolge „nicht mal besonders hübsche“ Künstlerin, Japanerin noch dazu und dann spielt er auch noch Hausmann und versorgt den gemeinsamen Sohn – während sie Erfolge feiert. Die Welt steht Kopf.

Doch immer mehr Paare sprengen die starren Beziehungsregeln, die Altersgrenzen verwischen, ob bei Mode-Ikone Vivienne Westwood (71) und Lebensgefährte Andreas Kronthaler (45), bei Schauspielerpaaren wie Goldie Hawn (66) und Kurt Russel (61), Iris Berben (61) und Heiko Kiesow (51) oder jüngeren Yokos wie Nicole Scherzinger (33) und Lewis Hamilton (26) oder Sylvie (33) und Rafael van der Vaart (28). Es sind allerdings nicht nur prominente Beispiele, die einen Trend aufzeigen, der sich unaufhörlich bemerkbar macht – auch in unserem privaten Umfeld gilt: Der Liebes- und Lebenspartner muss nicht mehr der Ältere sein.

 

Partner auf Augenhöhe

 

Eines dieser „ganz normalen“ Yoko-Paare sind Sara (37) und Pedro (29). Kennengelernt haben sich die beiden auf Mallorca, wo sie auch heute noch leben. „Als ich vor sieben Jahren nach Mallorca ging um einen zweimonatigen Sprachkurs zu machen hat mir mein Lehrer einen Sprachaustauschpartner aus Südamerika vermittelt. Wir haben uns von Anfang an sehr gemocht, obwohl wir uns nur mit Händen und Füßen verständigen konnten. Ich bin dann statt zwei gleich einmal vier Monate geblieben, denn wir hatten wir uns verliebt. Damals war ich 30 und Pedro 22“, so Sara. Nach einigen Jahren Fernbeziehung, Sara lebt in Berlin, Pedro auf Mallorca, wollte Sara mehr, sie wollte eine Familie gründen, aber Pedro fühlt sich noch nicht bereit. „Wir waren ein Jahr mehr oder weniger getrennt, aber letztlich hat die Liebe gesiegt!“ Heute leben die beiden als Paar zusammen, haben eine einjährige Tochter und es sind noch weitere Kinder geplant.

Yoko-Paare sind eher atypische Paare, wie es scheint. Die sich nicht so sehr in Klischees und Geschlechtsrollen verfangen, sondern gerne „als Partner auf Augenhöhe“ leben, wie es viele formulieren. Beide scheinen männliche wie weibliche Züge entwickelt zu haben und in ihrem Verhalten gerne auch mal zu wechseln. Mal ist sie stark, mal er, mal ist der eine aktiver, mal der andere, mal darf der eine sich zurücklehnen und verwöhnen lassen, schwach sein, mal der andere – unabhängig vom Geschlecht. Yoko-Paare entscheiden offenbar stärker nach individuellen Vorlieben und Stärken, wie sie ihr Leben gestalten und orientieren sich weniger an vorgegebenen Traditionen.

Was sagt die Psychologin und Psychotherapeutin, Brigitta Fetsch, die in freier Praxis in Graz mit Schwerpunkt Paartherapie tätig ist, zu dieser Paar-Konstellation?
„Ich habe in der Praxis viele Paare, aber eher im klassischen Sinn, das heißt, der Mann ist der Ältere. Sehr selten ist die Frau deutlich älter.“ Die Psychologin vermutet, dass unübliche Konstellationen eine größere Bandbreite, einen größeren Spielraum der Möglichkeiten schaffen, wie Mann und Frau miteinander umgehen. Meist sei die Toleranz miteinander größer und es herrsche ein anderes Problembewusstsein. „Unterschiede werden eher als interessant, als normal erlebt und weniger als Problem gesehen.“

Und während sich klassische Paare oft an der Norm messen, was einen schnelleren, höheren Leidensdruck schaffen kann, ermöglichen unübliche Paarkonstellationen mehr Raum zum Experimentieren. „Zu mir kommen eher die klassischen Paare mit klassischen Problemen“. Es sind vor allem die Probleme des Alltags und der Routine, die Paare mürbe machen – das haben andere Paare oft nicht, die sich abseits der üblichen Regeln bewegen.
„Zwei, drei Jahre auf und ab spielen keine so große Rolle. Wenn die Partner in etwa gleich alt sind, haben sie eher einen gleichen Lebenshintergrund, ähnliche Erfahrungen, diese Konstellation entspricht auch der gesellschaftlicher Norm.“
Aber, meint Brigitta Fetsch, es mache wohl einen Unterschied, ob die Frau selber noch jünger und damit Familienplanung noch ein Thema sei oder ob sie schon älter bzw. das Thema Kinderkriegen schon ad acta gelegt ist. In ersterem Fall kann es sein, dass sich der Partner noch zu jung fühlt, bei letzterem stellt sich die Frage für den Mann, ob er auch ohne (weitere) eigene Kinder leben möchte.

Das war anfangs auch ein Thema für Jutta (46) und Olaf (38), sie erzählt: „Gekannt haben wir uns ja schon lange, aber wir haben uns aus den Augen verloren. Vor ungefähr sieben Jahren sind wir uns wieder öfter begegnet, in einem kleinen Kulturverein, und da hat´s dann gefunkt. Wir waren ein paar Monate so lose zusammen, ich habe das Ganze nicht wirklich ernst genommen, bis Olaf dann alleine in Urlaub gefahren ist. Für sechs Wochen. Da hab ich dann gemerkt, dass ich ihn sehr vermisse. Als er zurückgekommen ist, sind wir fix ein Paar geworden“. 2005 sind die beiden zusammengezogen und haben 2009 schließlich geheiratet.
Jutta hatte bereits zwei Kinder (heute 24 und 27 Jahre alt), die sie allein großgezogen hat. „Ich hatte anfangs wohl Bedenken, dass er noch Kinder haben will, weil das für mich eben kein Thema mehr war.“ Olaf habe ihr aber bald klargemacht, dass das für ihn nicht so wichtig sei – „und irgendwann hab ich ihm das auch mal geglaubt.“
Ihre Kinder waren anfangs nicht ganz so begeistert, aber nicht weil der neue Partner ihrer Mutter jünger, sondern weil da überhaupt ein Mann in ihrem Leben war. „Sie haben nie einen ernst zu nehmenden Partner bei mir kennengelernt“. Mittlerweile haben alle ein gutes, entspanntes Verhältnis.

Was aber ist es genau, das so anders ist mit einem jüngeren Partner? Oder einer älteren Partnerin? Natürlich, die Lieblingsvorurteile sind schnell bei der Hand: Sie will sich sexuell austoben, braucht Selbstbestätigung (und vielleicht noch den Sohn, den sie bemuttern kann), er dagegen will ihr Geld. Oder ihre Beziehungen. Oder eine Ersatzmami. Alles schön und gut, mag schon sein, aber Yoko-Beziehungen sind mehr, weit mehr.
Sara (37) meint dazu: „Man steckt in unterschiedlichen Lebensabschnitten. Das verlangt danach, dass man sehr flexibel sein muss. Dieses fördert meiner Meinung nach einen guten Austausch. Wir sind sehr glücklich und thematisieren nie diesen Altersunterschied. Er macht uns beiden nichts aus. Mein Partner hat gerade angefangen zu Studieren und ich finde das großartig. Dafür arbeite ich jetzt wieder etwas mehr und er ist mehr mit unserer Tochter zusammen.“

Birgit (48) vermutet, dass Werner (37) es geschätzt hat, „dass ich persönlich reifer, stabiler war, nicht herumgezickt habe, dass ich einfach wusste, was ich wollte.“

Auch Marieliese (72) berichtet: „Ich finde, dass sich der Altersunterschied zu meinem jetzigen Partner Nikki (52) weniger auswirkt, als früher mit meinem Mann, der zwanzig Jahre älter war. Da hatte ich mehr Respekt und Ehrfurcht, während ich mich heute mit meinem Freund gleichwertig fühle. Wir lachen sehr viel und fühlen uns geborgen miteinander.“ Es gibt viele Vorteile, wie Marieliese lächelnd erzählt: „Durch einen jungen Mann bleibe ich selber jünger, habe ich wieder eine Aufgabe in meinem Leben. Probleme? Haben höchstens die anderen, ich nicht, und er auch nicht.“

Die Psychologin dazu: „Diese Paare bewegen sich außerhalb klassischer Normen – und das macht vieles möglich, es gibt mehr Raum zum Experimentieren, mehr Narrenfreiheit. Die Frau bringt meist schon mehr Beziehungserfahrung ein, sie ist reifer, muss nicht mehr alles auf den Mann projizieren und ihr Glück von ihm abhängig machen, das macht weniger Druck.“ Sie kann nun ihre Erfahrungen leben, neu gestalten. Und die Jugendlichkeit des Mannes löse schöne Gefühle aus, „das eigene innere Mädchen wird dadurch genährt und gefördert, darf sich ausleben“. Ab einem gewissen Alter ist die Frau gefestigter, gelassener und, so die Psychologin, „klüger in der Kommunikation“. Sie hat eine angenehme Distanz auch zu sich selbst, wird nicht mehr alles so ernst nehmen, während jüngere Frauen sich erst noch beweisen müssen, sich selbst entdecken, mehr kämpfen. Später wird die Toleranz größer und es findet sich auch ein anderer Umgang mit Konflikten, ein anderes Bewusstsein dafür, was überhaupt als Konflikt gesehen wird.

Jutta (46) sieht ebenfalls viele Vorzüge in ihrer Beziehung zu Olaf (38): „Wenn der Partner jünger ist, bleibt man selber jung, man geht automatisch mit. Ich könnte es mir gar nicht mehr vorstellen mit einem älteren Mann, man orientiert sich ja daran, ist aktiver. Für mich ist es normal, dass ich einen gutaussehenden, knackigen Mann hab, das find ich toll.“ Sie gibt natürlich zu, dass es auch stressig werden könnte, wenn der jüngere Partner noch sehr aktiv ist, aber „bei uns passt es gut, weil er eher ruhiger, aber konstitutionell besser ist und ich eher die aktivere bin.“

Schon die alten chinesischen Geheimnisse weiblicher Macht enthüllen, dass es sich für eine Frau empfiehlt einen jüngeren Liebhaber zu suchen. Im Buch von Ulja Krautwald und Christine Li („Der Weg der Kaiserin“) über die Lebensweisheiten der Kaiserin Wu Zhao kann man diesbezüglich fündig werden. „Jüngere Männer geben meist mehr. Darum weiß die Kaiserin um die Vorteile des jungen, anhänglichen und weichen Mannes. Mit ihm macht es … Freude zu experimentieren, er ist flexibel und kann sich dem Spiel noch ganz hingeben. Er ist verspielt und nimmt sich Zeit zum Üben, wo er noch nicht so viel Erfahrung hat. Junge Männer sind reich an Essenz und Yang-Energie, die sich in Herzlichkeit, Phantasie und Begeisterungsfähigkeit zeigt“. Umgekehrt wissen jene Männer „den Charme einer mürberen und weniger kindlich prallen, dafür aber umso empfindsameren Haut zu schätzen. Sie wünschen sich Frauen, die nicht nach ihrem Einkommen fragen und danach, ob sie denn eine Familie ernähren können. Sie wünschen sich geistig unabhängige Frauen, die nach ihren eigenen Gesetzen leben und andere Menschen so lassen können, wie sie sind“.

Probleme können natürlich auftauchen, wenn die Lebensplanung der beiden nicht parallel verläuft, sie (schon) in festeren Bahnen denkt, während er sein freies Leben genießen will.

Lisa (37) erzählt von ihrer Beziehung zu Thomas (30): „Ich war 33 als wir zusammengekommen sind und er 26, wir waren ziemlich genau 4 Jahre zusammen.“ Vor kurzem haben sich die beiden jedoch getrennt, weil er sich noch nicht festlegen, nicht zusammenziehen wollte. „Für mich hängt das schon mit dem Alter zusammen, weil er für sich generell noch nicht weiß, was er überhaupt will. Er ist einfach in einer ganz anderen Lebensphase – für mich wird es *hüstel* Zeit, an eine Familie zu denken, wenn ich denn jemals eine will und er hat ganz einfach noch ewig Zeit, bis er sich niederlässt. Mir wiederum war es zu viel, dass er recht wenig Verantwortung übernommen hat für sein eigenes Leben. Jedenfalls bin ich vor einem Jahr weggezogen wegen einem neuen Job, dem ich Vorrang gegeben hatte, weil er ja sowieso keine Anstalten machte, „uns“ weiterzuentwickeln“. Die Fernbeziehung ging noch ein Jahr gut.

Ein großes Thema in Yoko-Beziehungen sind schließlich auch Erotik und Sexualität. Psychologin Brigitta Fetsch: „Eine erfüllte Sexualität, das ist ja auch ein Lebensgefühl, das in den Alltag einfließt.“ Gerade wenn sich Frauen in der Menopause befinden täte der erotische Hormoncocktail ihrem Hormonhaushalt gut. Und schließlich erleben Frauen ab 35, 40 ihre sexuelle Hochphase, während bei Männern der Hormonspiegel ab 30, 35 bereits zu sinken beginnt.

Lächelnd erzählt Birgit (46) von ihrer Beziehung zu Werner (37): „Die Kraft und Potenz eines jüngeren Mannes, das hat schon was. Die Erotik hat bei uns eine große Rolle gespielt. Wir waren laut und leidenschaftlich beim Sex, spontan und animalisch, das habe ich sehr genossen, wir hatten oft Sex, mehr auswärts als zuhause, haben viel ausprobiert, seine Vitalität und Jugendlichkeit das war einfach mitreißend.“
Erotik ist ebenfalls ein zentrales Thema im Buch von Ingeborg Middendorf „Der Mann, der nicht küsste“ (2010). Eine alterslose Frau um die sechzig hat eine Affäre mit einem um vieles jüngeren Mann, Orkan, Türke und verheiratet. Sex ja, Liebe nein, so das Motto. Die Autorin selbst betrachtet „allzu klassische Lebens- und Beziehungskonzepte schon lange mit einem gesunden Skeptizismus“. Und sie möchte mit den Tabus brechen, denen zufolge eine Frau im fortgeschrittenen Alter asexuell zu sein hat. Ingeborg Middendorf hat und hatte immer wieder Affären mit jüngeren Männern, sie macht keinen Hehl daraus. „Jüngere Männer sind noch nicht so verbogen vom gelebten Leben, von Berufsstress, Ehen, Scheidungen, Schwierigkeiten mit Kindern, Altlasten in jeglicher Hinsicht, ungesundem Essen, Alkohol, Zigaretten. Sie sehen besser aus, sind flexibler, freier, unbelastet. Körperlich macht es mehr Spaß, sie sind fröhlicher, man kann Blödsinn machen mit ihnen, lachen und niemand zehrt am anderen. Liebe ist ein Kind der Freiheit. Wie jung ist wurscht, Hauptsache man fühlt sich dabei und nachher glücklich.“
Natürlich, meint sie, könne sich auch mal mehr entwickeln, aber Partnerschaften bedeuten oft „Kompromisse, Ziehen aneinander und viel Unerfreuliches, das gar keinen Spaß macht.“

Ein Begriff dafür, der aus den USA zu uns herübergeschwappt ist, ist Cougar – im englischen Puma – eine Slang-Bezeichnung für eine reifere Frau, die einen jüngeren Mann sucht. Warum Puma? Einerseits soll das silbrige Fell des Pumas (Silberlöwe) an die (theoretische) Haarfarbe reiferer Frauen erinnern, andererseits ist der Puma ein Jäger – wie jene Frauen, die „Jagd“ auf jüngere Männer machen.

Laut Wikipedia prägte Valerie Gibson, Sex-Kolumnistin und Autorin des Buchs „Cougar: A Guide for Older Women Dating Younger Men“ den Begriff, ursprünglich als Herabsetzung für ältere Frauen, die Bars besuchen und schlussendlich mit dem nach Hause gehen, der übrig geblieben ist. Im Laufe der Zeit wandelte sich diese Bezeichnung jedoch ins positive – er steht heute für reife Single-Frauen, die wissen, was sie wollen, und die das Geld und Selbstbewusstsein haben, es sich zu holen. Endgültig salonfähig gemacht hat diese Entwicklung schließlich Courteney Cox in der US-Serie „Cougar Town“ – als frisch geschiedene Vierzigjährige, die sich jüngere Liebhaber gönnt. Sie hat dem Cougaring damit zum großen Durchbruch verholfen und einen neuen Trend ausgerufen. Heute ernten viele sogar bewundernde Blicke und die entsprechenden Internetportale und Partner Börsen boomen.

2003 griff Oprah Winfrey in ihrer Sendung das Thema „Liebebeziehung zwischen älterer Frau und jüngerem Mann“ auf. Im Jahr 2005 startete „Nanny“-Star Fran Drescher eine Comedy-Show namens „Living with Fran“, eine Show über eine Mutter von zwei Kindern, die sich in einen Mann verliebt, der nur halb so alt ist wie sie (basierend auf ihrer eigenen Geschichte).

Um noch in der Filmwelt zu verweilen: wer würde sie nicht kennen, die Filmklassiker „Harold und Maude“ oder „Die Reifeprüfung“ mit einem blutjungen Dustin Hoffman? Auch Susan Sarandon (65), die mit Tim Robbins (53) einen wesentlich jüngeren Partner gefunden hat, mit dem sie nicht nur zwei Söhne sondern auch ihr politisches Engagement gemeinsam hat, zeigte 1990 im Film „Frühstück bei ihr“ mit James Spader, wie sich die Liebe eines Yoko-Paares allen Unkenrufen und inneren Zweifeln zum Trotz letztlich durchsetzt.

Eine Frau, die ebenfalls ihren Weg geht, konsequent und unkonventionell, ist Winnie (56). Sie erzählt offen von ihrer Beziehung zu Christian (39): „Wir haben uns 2009 im Fitnessstudio kennengelernt. In der Sauna sind wir ins Gespräch gekommen.“ Da Winnie auch als spirituelle Lehrerin tätig ist, wurde Christian zunächst ihr Schüler. Fünf Monate lang. „Dann erwischte uns die Liebe.“ Bis Mai 2011 ging ihre Beziehung. „Dann war unsere Aufgabe erfüllt.“ Christian brauchte, wie sie sagt, ein anderes Lern- und Spielfeld und dafür auch eine andere Partnerin. Die beiden haben sich friedlich getrennt. Wie sich der Altersunterschied ausgewirkt hat? „Das kann ich nicht sagen. Ich habe mich bemüht, immer auf Gleichheit zu achten. Meine Lehrer Funktion habe ich dahingehend genutzt, dass ich ihm ein Vorbild war, wie man miteinander umgeht, das Leben gestaltet, Prioritäten und Ziele setzt und erreicht. Ich habe ihn aus einer tiefen Krise abgeholt und wieder aufgebaut.“

Es muss also nicht immer die große Liebe für die Ewigkeit sein. In Zeiten von Lebensabschnittsgefährten und wechselnden Partnerschaften hat vieles Platz.
Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2003 bestätigt, das eine von drei alleinstehenden Frauen in den USA im Alter von 40 bis 69 Jahren sich mit einem jüngeren Mann verabredet.
1997 waren in den USA weniger als eine halbe Million Paare zu finden mit einem Altersunterschied von mindestens zehn Jahren. 2003 gab es bereits etwa 3 Millionen Paare, bei denen der Mann mindestens sechs Jahre jünger als die Frau ist.

 

Klassische Werte verlieren an Bedeutung

 

Auch die Psychologin schätzt den Zeitgeist so ein: „Klassische Traditionen und Werte verlieren an Bedeutung, passen nicht mehr, weltweit findet ein politischer und wirtschaftlicher Umbruch statt, die Flexibilität wird größer, es ist mehr möglich, es wird in jede Richtung experimentiert.“ Noch ist offen, was davon sich letztlich bewährt. Die Paartherapeutin glaubt jedoch, dass die Yoko-Paar-Konstellation zunehmen wird. Der Frust mit den klassischen rigiden Modellen wachse. Außerdem: „Man richtet sich heute nicht mehr so ein auf eine gesicherte fixe Zukunft“, es herrsche mehr eine Lebensphilosophie des „Moments“.

Eine Moment-Beziehung hat auch Birgit (48) mit Werner (37) erlebt. „Wir haben uns schon länger gekannt, haben aber beide in Beziehungen gelebt. Wir waren uns von Anfang an sympathisch.“ Als dann vor etwa zwei Jahren zur selben Zeit unabhängig voneinander sowohl seine Beziehung zerbricht und Birgit sich nach langjähriger Ehe von ihrem Mann trennt, geht es sehr schnell. „Wir haben uns wiedergesehen und unsere Chance genützt, es hat einfach gerade gepasst. Und es war angenehm, weil ja schon eine gewisse Vertrautheit da war, man kannte sich schon.“
Beiden war allerdings von vorneherein klar, dass es keine Beziehung für die Zukunft sein würde. „Es war nicht die große Liebe, wir waren beide beschäftigt damit, die Trümmer unserer alten Beziehungen wegzuräumen und aufzuarbeiten, da war es hilfreich, dass jemand da war.“
Die beiden haben sich gegenseitig aufgefangen, viel Zeit miteinander verbracht. „Wir hatten einen sehr liebevollen Umgang, haben uns emotional schon sehr gehalten.“ Die elf Jahre, die Werner jünger ist, erlebt Birgit anfangs als positiv. „Irgendwann ist es jedoch gekippt, er wollte spielen, provozieren, lustig sein, für mich war das auf Dauer zu wenig, ich habe mehr Tiefe gebraucht, wollte nicht nur an der Oberfläche schwimmen.“ Das Ganze ging etwa vier, fünf Monate so, dann war es vorbei. „Recht unspektakulär“, wie Birgit betont. Werner vollzieht zu dieser Zeit auch einen beruflichen Wechsel, der viel Kraft kostet. „Das war auch gut so, wir hatten ja beide viel Energie getankt aus unserem Zusammensein, die wir jetzt anderweitig nutzen konnten.“ Es war, wie Birgit meint „eine spritzige Verliebtheit, ein großer Kick, aber nicht alltagstauglich.“ Übriggeblieben ist weiterhin eine große Zuneigung, Sympathie. Die beiden können sich heute unbefangen begegnen, es sind keine Verletzungen oder schlechten Gefühle zurückgeblieben.

Wer von Yoko-Beziehungen redet, muss sich wohl auch dem Thema Aussehen zuwenden, dass in unserer Gesellschaft ein großes ist. Wie die vielen bunten Werbeplakate und -filme beständig suggerieren, ist ein schöner, schlanker, attraktiver Körper die beste Voraussetzung für ein glückliches Leben. In einer leistungsorientierten Jugend-Kult-Kultur fällt es mit zunehmenden Alter schwerer mit diesen Maßstäben mitzuhalten. Wie aber gehen nun jene Frauen damit um, die einen Partner an der Seite haben, der jünger und körperlich fitter, straffer, faltenfreier ist? Während sie selbst vielleicht nicht mehr so jugendlich prall und knackig sind? Welche Rolle spielen Körper und Aussehen in ihrer Beziehung?

Winnie (56) berichtet: „Das war bei uns kein Thema. Wir sind beide schöne Menschen mit fitten Körpern. Seine Frauen vor mir waren alle weniger attraktiv. Natürlich taucht ab und zu der Gedanke auf, was ist, wenn meine äußere Schönheit nachlässt. Aber ich lebe im Jetzt und habe mir von diesen Überlegungen meine Freude an dieser Liebe nicht vermindern lassen.“

Auch Lisa (37) betont, dass „Aussehen, Fitness bei uns kein Thema war, aber mir sagte neulich auch ein 24-Jähriger, er hätte mich auf 26 geschätzt. Im Ernst: mit Alterungserscheinungen hatten wir gar kein Problem – und: ich weiß zu genießen.“

Während Birgit (48) anfangs unsicher war, hat sich das schnell gegeben. Für sie war es eine große Selbstbestätigung, dass sich ein jüngerer Mann überhaupt für sie interessiert, nach so vielen Jahren Ehe. „Ich wollte auch einmal meinen Marktwert prüfen“, wie sie zugibt. Es gab natürlich Bereiche, wo sie sich aussehensmäßig nicht perfekt fühlt, körperliche Schwachstellen wahrnimmt. „Das hat Werner (37) sofort weggewischt –„ ich will dich ja nicht abmessen, ich will mit dir Spaß haben!“ Ich habe mich jünger gefühlt und begehrt – dieser Mann achtet nicht auf Falten und Dellen, sondern er liebt den Sex mit mir.“

Marieliese (72): „Wie ich mit meinem Alter umgehe? Ich freue mich, dass auch Nikki (52) es akzeptiert, dass meine Haare weiß sind, und seine übrigens auch“, schmunzelt sie. „Ich färbe meine nicht, er aber seine schon, das braucht er in seinem Beruf als Musiker in der Öffentlichkeit.“

Die Paartherapeutin Brigitta Fetsch dazu: „Natürlich, die Vitalität eines jüngeren Mannes ist spürbar anders, das ist ein Jungbrunnen für die Frau. Und umgekehrt, hat sie einen anderen Ausdruck in ihrer Körperlichkeit und Weiblichkeit, eine größere Hingabefähigkeit, das schätzen wiederum die Männer. Ältere Frauen sind erfahrener, experimentierfreudiger, offener, können auch mal die Führung (im Leben wie im Bett) übernehmen, das entlastet den Mann.“
Oder wie Dana Horáková schreibt: „Die Haut prickelt, die Seele taumelt“. Was zählen da schon Falten und Röllchen an den Hüften? Überhaupt werden körperliche Makel und Nicht-Perfektheiten, wie´s scheint, von beiden viel eher akzeptiert, der Umgang mit sogenannten kleinen Schönheitsfehlern ist gelassener. Selbst die Schönheitsnormen scheinen hier nicht so ganz zu greifen, zu unkonventionell und an anderen (Liebes- und Beziehungs-) Kriterien orientiert sind die Yoko-Paare.
Tatsächlich sieht eine heute 50jährige anders aus als anno dazumal. Galt man einstmals mit 45, 50 als alt, ist dies heute die Zeit, in der man mitten im Leben steht, oft nochmal neu durchstartet, seinem Leben eine andere Richtung gibt, alte Träume aufgreift und neue realisiert.
Eine bewusstere Lebensführung, ein achtsamer Umgang mit sich selbst, viele Styling-Möglichkeiten lassen das jeweilige Alter nicht mehr sichtbar werden. Und viele Frauen entdecken in ihrer Lebensmitte eine neue Lust daran, sich auszudrücken, sich femininer, bunter, individueller zu kleiden, erstmals haben sie vielleicht Zeit, Lust und Ressourcen sich um sich selbst zu kümmern, mit Frisur, Make-up, Kleidung zu experimentieren.

Klar, dass die Themen Aussehen und letztlich auch Altern in Yoko-Beziehungen aufkommen, vor allem, wenn diese andauern. Wie die Psychologin erklärt, hänge es auch davon ab, wie rasch und sichtbar der Mann altert, ob die Schere zwischen beiden sehr weit auseinander geht. Aber nichtsdestotrotz hat die Qualität der Beziehung den größeren Einfluss – gibt es gemeinsame Projekte, Ziele, Vorhaben, ist das gemeinsame Band stark genug, vertieft es die Innigkeit der Beziehung, dann ist Aussehen eher vernachlässigbar, rückt in den Hintergrund.

Laut Statistischem Bundesamt beträgt die derzeitige Lebenserwartung in Deutschland für Frauen 82 Jahre, für Männer 77 Jahre. Tatsächlich wäre also ein Paar gut beraten, bei dem die Frau rund fünf Jahre älter ist als ihr Partner – rein rechnerisch haben die beiden dann die größten Chancen einen gemeinsamen Lebensabend zu genießen.

Dana Horáková listet in ihrem Buch auf, dass in den USA im Jahr 2007 bei 32 Prozent aller Eheschließungen die Männer jünger waren als ihre Partnerin. „Bei Frauen, die zwischen 35 und 44 Jahre alt sind, liegt die Quote sogar bei 44 Prozent.“ Und weiter: „Auch in Deutschland ehelicht inzwischen jede fünfte Frau einen jüngeren und bei Frauen um die 40 bereits jede Zweite.“

Im Verlauf nur weniger Jahre ist bis 2007 die Zahl der Ehen in Deutschland, in denen die Frau durchschnittlich zehn Jahre älter ist als ihr Partner um 18 Prozent gestiegen.

Das Statistische Bundesamt Deutschland bestätigt, dass in Beziehungen ohne Trauschein die Frau häufiger älter ist als ihr Partner: „Auch hinsichtlich der Altersverteilung weichen nichteheliche Lebensgemeinschaften von gängigen Klischees ab: Zwar herrschte im Jahr 2009 auch bei unverheirateten Paaren überwiegend (68%) eine traditionelle Altersverteilung. Doch in fast jeder vierten Beziehung war die Frau älter als ihr Partner (23%). Der Rest (9%) war gleich alt.“

Gerne rühmen wir uns, dass heute offen über alles geredet werden kann. Ob sexuelle Praktiken oder Orientierung, ob Alkoholsucht, Seitensprünge, Neurosen aller Art – es scheint mittlerweile kein Tabu mehr zu geben, das nicht in aller Öffentlichkeit diskutiert werden kann. Außer: Das Thema Alter und noch schlimmer Sex im Alter, das sind noch immer große no-gos. Und eine „alte“ Frau mit einem jüngeren Mann ist immer wieder mit Vorurteilen und Abwertungen von außen konfrontiert. Auch das eigene Umfeld, Familie, Freunde sind nicht immer begeistert von einer Yoko-Beziehung. Das wiederum kann auf Dauer eine Partnerschaft sehr belasten.

Auch wenn Winnie (56) meint, dass es „im vorigen Jahrtausend wohl ein Thema war, weil es gegen alle Normen, Regeln und Traditionen verstoßen hat, heutzutage aber als Privatsache akzeptiert wird“, stellt sie abschließend fest, dass es sicher „ab und zu Kommentare gibt“.

Ähnlich schätzt auch Lisa (37) die Lage ein: „Unser Alter hat niemanden interessiert, allerdings lagen die Interessen der Freundeskreise manchmal etwas auseinander (die einen planen einen Hausbau, die anderen verbringen ihre Zeit mit Computerspielen ….). Nur ausgerechnet meine älteste Freundin war der Meinung, dass ich mir jemanden in meinem Alter suchen sollte und nahm die Beziehung nicht ernst“.

Was kann ein Yoko-Paar tun, wenn Umfeld negativ reagiert? Brigitta Fetsch: „Wenn ein Paar selbst noch unsicher ist, kann ein negative Reaktion der Umwelt noch mehr verunsichern.“ Deshalb rät die Therapeutin, im Bedarfsfall nicht zu früh nach außen zu gehen, die neue Liebe zuerst für sich genießen, die Beziehung entwickeln zu lassen, sie zu schützen. „Wenn Paare sich sicher sind, ist es leichter, am besten aber ist es, keine allzu große Sache daraus machen.“
Man sollte sich in jedem Fall bewusst sein, dass Kommentare von außen oft mehr mit den anderen als mit uns selbst zu tun haben. Und dass natürlich auch Neid, Missgunst, eigene negative Erfahrungen und Ängste mitschwingen, die mehr zu deren Lebensbiographie gehören!
„Rechnen Sie damit: alles, was nicht der Norm entspricht, löst Irritation aus in der Umwelt!
Und wenn eine Frau deutlich älter ist als ihr Partner, löst das in den Köpfen der Menschen eben Staunen und manchmal auch Abwehr aus“.

Eine Frau, die sich von jeher konsequent gesellschaftlichen Normen widersetzt, ist Marieliese (72), gebürtige Wienerin, die heute in Berlin ihr Zuhause gefunden hat. In ihrem 2004 erschienenen Buch „Aber Du wirst nicht die Einzige sein“ beschreibt sie ihr abenteuerliches Leben als Ehefrau eines nigerianischen Arztes, dem sie in seine Heimat folgte und dort auch mit anderen Frauen teilen musste. Marieliese erzählt: „Ich war 49 Jahre mit Binjo verheiratet, habe fünf Kinder und lebte fast 30 Jahre mit meiner Familie in Nigeria, West Afrika. Nachdem mein Mann drei Schlaganfälle erlebte, und uns die Räuber neun Mal heimsuchten, zogen wir nach Berlin, wo unsere älteste Tochter lebt. Mein Mann war 20 Jahre älter als ich. Einige Monate nach dem Tod meines Mannes lernte ich Nikki kennen, ein 20 Jahre jüngerer Afroamerikaner. Ich fühlte mich in seiner Gegenwart sofort geborgen. Nikki ist Musiker, Komponist, Songwriter, einfach ein toller Mann. Schnell fühlte ich, dass auch er jemanden braucht und wie ich nicht mehr alleine sein wollte. So bildeten wir eine Lebensgemeinschaft. Inzwischen sind zwei Jahre vergangen und ich bin glücklich so einen jungen, hübschen, begabten und tüchtigen Mann gefunden zu haben. Und ich glaube, auch er genießt es ein bisschen verwöhnt zu werden.“
Wie hat ihr Umfeld darauf reagiert, dass sie als Frau im „fortgeschrittenen“ Alter mit einem Mann zusammenlebt, der 20 Jahre jünger ist? „Anfangs dachten sich viele, das ist was vorübergehendes, aber nun, wo wir schon zwei Jahre beisammen sind, ändern viele ihre Meinung, und akzeptieren uns. Außerdem: mein Freund ist ein Gentleman wie er im Buch steht, höflich, gut erzogen, zuvorkommend, er verwöhnt mich einfach.“ Marieliese hat ihre Kinder über ihren Entschluss informiert, nicht mehr alleine zu bleiben und „ich habe das Gefühl, sie vergönnen mir das späte Glück“.

Zu guter Letzt, was können erprobte Yoko-Frauen anderen mit auf den Weg geben? Lassen wir nochmals einige der hier vorgestellten Frauen zu Wort kommen.

Sara (37): „Nicht so viel darüber nachdenken. Es kann einem nichts Besseres passieren als einen Partner zu finden mit dem man sich gut versteht. Da ist es egal wie groß der Altersunterschied ist.“

Jutta (46): „Alter ist nicht das Kriterium, die Interessen müssen stimmen, ein Draht zueinander. Generell finde es wünschenswert, wenn mehr Frauen sich jüngere Männer suchen.“

Marieliese (72): „Ich kann nur sagen, wenn man einen Mann liebt, dann schafft man alles, da kann man mit ihm durch dick und dünn gehen. Aber die Liebe muss da sein!!!

Ingeborg Middendorf: „Frauen sollen ihr Leben so führen, dass es Spaß macht, egal mit wem.“

Winnie (56): „Im Jetzt leben! Jede Liebe ist es wert, gelebt zu werden. Besser Liebeskummer als nie geliebt.“

Vielen Frauen spricht wohl auch Daná Horáková aus dem Herzen, wenn sie schreibt: „Die Yoko-Frau sucht nach Männern, die nicht nach einem festgelegten Schema leben, sondern noch für vieles offen sind. Sie will einen Mann, der ihre Seele anspricht, mit dem sie träumen, das Leben genießen und Neues entdecken kann“.

 

IN: BIO, 2/2012