Trennung

Ich habe mich heute von meinem langjährigen Lebensabschnittspartner getrennt. Kurz und schmerzlos. Und ich fühle mich: Befreit. Erleichtert. Obwohl: ich habe ja fast mein ganzes Leben mit ihm verbracht. Das soll natürlich schon gewürdigt werden.

Anfangs war es ja auch toll, eigentlich über viele Jahre hinweg. Anfangs war da die Freude auf ihn, die Neugier. Ich wollte alles entdecken, kennen lernen, alles ausprobieren. Es gab so viele aufregende interessante Dinge zu erforschen. Mir wurde kaum jemals langweilig mit ihm und außerdem: er war immer da für mich, das muss man ihm schon zugestehen. Wann immer ich Lust hatte, nichts Besseres zu tun hatte – er war da. Treu und verlässlich.

Bis auf ein paar klitzekleine unbedeutende Ausfälle, zwar meist im spannendsten Moment, aber letztlich nicht wirklich der Rede wert. Ich wusste einfach, wann immer ich ihn brauchte, er würde mich nie im Stich lassen. Nur, so im Lauf der Zeit, man gewöhnt sich halt aneinander, alles wird irgendwann zur Routine, da gab´s dann schon Momente der Langeweile – ewig der gleiche Schmus, die alte Leier, man kennt sich halt in- und auswendig. Da hängt man dann eben aus Gewohnheit so miteinander herum – Abend für Abend. Jedes Wochenende. Früher mal, da haben wir oft sogar die Nachmittage miteinander verbracht, aber dann, man hat ja nicht mehr so viel Zeit, aber zumindest die Abende, bequem, sicher, unaufregend. Da weiß man halt, was man hat.

Ich gebe ja zu, manchmal war ich dann schon etwas genervt, grantig von allzu viel Gewohnheit – tagein, tagaus dasselbe, wird fad auf die Dauer. Ich habe mir allmählich andere Beschäftigungen gesucht. Bin öfter ausgegangen, hatte meist viel Spaß, immer mehr Spaß ohne ihn – irgendwie fingen die gemeinsamen Abende daheim an nach vergeudeter Zeit zu schmecken. Völlig reizlos. Ja, ich gestehe, ich bin seiner irgendwann überdrüssig geworden. Ich geb´s zu – auch wenn ich ihn im Laufe der vielen Jahre ein paar mal gegen einen jüngeren, ein besseres Modell sozusagen, eingetauscht habe – das ist halt der Lauf der Welt. Nur genutzt hat das alles nichts. Was vorbei ist, ist vorbei. Unsere gemeinsame Zeit ist vorbei.

Seit Monaten schon haben wir uns nichts mehr zu sagen. Ich gehe ihm aus dem Weg. Ich ignoriere ihn, vergesse meist sogar auf ihn, brauche ihn nicht mehr. Mein Leben findet woanders statt. Nicht mehr mit ihm. Und das lass ich ihn auch deutlich spüren. Er ist unnütz geworden in meinem Leben. Überflüssig. Braucht nur Platz, verursacht Kosten. Verstaubt. Und wofür? Deshalb nach langem Überlegen dieser entscheidende Schritt: ich trenne mich von ihm, ich werfe ihn raus! Den alten Kübel, das unbrauchbar gewordene Ding, dieses fade Fernsehkastl. Und seither habe ich wieder viel mehr Platz und mehr Zeit. Für all die aufregenden Abenteuer, die in meinem Leben tatsächlich stattfinden.

 

IN: KLIPP, Dezember 2009