Warum positive Gefühle glücklich machen…

Positive Gefühle sind wichtig. Doch lassen wir viel zu oft zu, dass negative Gefühle Überhand nehmen. Was soll das nun heißen, wollen Sie jetzt vielleicht wissen: ich kann meine Gefühle doch nicht steuern? Können wir doch, meint die Wissenschaftlerin Barbara Fredrickson, eine der Pionierinnen auf dem Gebiet der Positiven Psychologie – sie forschte der Frage nach: Wozu sind positive Gefühle eigentlich gut?

Positive Gefühle stärken: Angenehme Gefühle erweitern unseren Horizont und unser Bewusstsein, sie öffnen unsere Herzen und ermöglichen einen größeren Denk- und Handlungsspielraum. So kann uns ein Gefühl von Freude, Interesse oder Heiterkeit dazu anregen zu spielen, kreativ zu sein, Neues zu erforschen, zu lernen oder einfach die gegenwärtige Situation zu genießen. All das erweitert unsere Perspektive, stärkt uns, gibt uns neue Kraft, hilft uns dabei unser Potenzial, unsere Fähigkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln.

Besser gerüstet für später: Denn diese neuen Fähigkeiten dienen quasi als Reserve, als Quelle für die Zukunft, um besser und angemessener auf Situationen reagieren zu können. Studien haben ergeben, dass zB eine Familie, in der viel gespielt wird, eher Bestand hat. Im Spiel werden neue Fertigkeiten trainiert, die später von Nutzen sein können. Und wer sich an die Zeit der ersten Verliebtheit erinnert, weiß, wie sehr dieses Gefühl einen die ganze Welt umarmen lassen kann. Um Barbara Fredrickson zu zitieren: „Ein positive Lebenseinstellung macht uns zu besseren Menschen. Indem wir unsere Herzen und unseren Geist öffnen, können wir neue Fähigkeiten, neues Wissen und neue Möglichkeiten unseres Seins entdecken, ausloten und aufbauen“. Viele Studien beweisen, dass eine positive Grundeinstellung Lebenserfolg und Gesundheit mitverursacht, d.h. sie hat über den aktuellen Moment der Freude langfristige Auswirkungen, sie bestimmt über Wohlbefinden und Lebensqualität.

Bewusste Entscheidung: Nicht zu verwechseln ist eine positive Grundhaltung allerdings mit dem sogenannten positiven Denken – alles durch die rosarote Brille sehen und ein permanentes Lächeln aufsetzen – so einfach ist es leider nicht. Es ist eine aktive Entscheidung und auch Übungssache, sich der angenehmen Dinge, der Schönheiten des Lebens bewusst zu sein, Platz zu lassen für Spiel und Freude, für Genuss und Muße – und es bedeutet nicht, dass alle Hindernisse, Schwierigkeiten und Krisen im Leben dadurch einfach beseitigt oder ignoriert werden sollen. Es geht vielmehr darum, alles wahrzunehmen, den Blick zu öffnen und nicht im Sumpf des Negativen zu baden.

Öffnen für den Fluss des Lebens: Gute Gefühle dauern nicht ständig an, sie vergehen auch wieder. Unser Leben ist im Fluss, in Bewegung, und da sollen alle Gefühle ihren Platz finden dürfen. Manchmal ist es Zeit zu trauern, sich zu ärgern oder seine Angst zu fühlen. All das soll aber nicht die guten Gefühle verdrängen, die stets auch da sind und wahrgenommen werden wollen.

Leserbriefanfrage

Problem: Ich habe seit zwei Jahren eine Arbeitskollegin, mit der ich sehr eng zusammenarbeite. Sie ist fast neun Jahre älter als ich und soweit ich weiß, lebt sie auch alleine. Wir haben uns immer sehr gut verstanden, aber nun merke ich, dass ich mich in sie verliebt habe. Sie weiß nichts davon. Was soll ich tun?
Erwin K. (45), aus Hamburg

Lösung: Sobald romantische Gefühle ins Spiel kommen, ändert sich eine Beziehung immer. Schwierig ist es natürlich, wenn das am Arbeitsplatz geschieht und der andere nichts davon weiß. Dazu kommt bei Ihnen natürlich auch der Altersunterschied. Entscheidend ist, ob sie bisher schon privaten Kontakt hatten oder sich ausschließlich in der Firma begegnet sind. In letzterem Fall könnten Sie einmal einen Versuch wagen und ihre Arbeitskollegin fragen, ob sie nach der Arbeit noch mit ihnen auf ein Getränk gehen möchte. An ihrer Reaktion können sie erkennen, ob auch von ihrer Seite Interesse da ist oder ob sie eher keinen privaten Kontakt möchte. Viele Ehen nehmen ihren Anfang am Arbeitsplatz. Wenn es für beide passt, werden Sie einen Weg finden. Dafür müssen sie jedoch einen (vorsichtigen) ersten Schritt setzen – und auch akzeptieren, wenn die Kollegin ihre Gefühle nicht erwidert.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2012