Wenn der Partner in Rente geht…

… bedeutet das meist große Veränderungen im Leben. Silke (59) ist ratlos: Ihr Mann ist seit einigen Monaten schon in Rente, seither sitzt er nur mehr daheim herum, will nichts unternehmen, trägt seinen Hausanzug und pflegt sich kaum mehr. „Dabei habe ich mich sehr auf diese Zeit gefreut“, meint Silke. Sie hatte gehofft, dass beide nun endlich genug Zeit haben werden, um auszugehen, zu reisen, Freunde zu treffen – all die Dinge, die in den letzten Jahren stets zu kurz gekommen sind. „Jetzt hat er Zeit und nutzt sie nicht“.

Es ist ein altbekanntes Thema, das Lebensumbrüche auch für eine Paarbeziehung eine Herausforderung darstellen. Wenn der eine aus dem Arbeitsleben aussteigt, während der andere schon lange „daheim“ ist, kann das auch eine Beziehung ordentlich ins Wanken bringen. Beide sind gefordert, ihren bisherigen Alltag neu zu organisieren.

Gewaltige Veränderungen: Für denjenigen, der nun aus seinem Arbeitsleben ausgestiegen ist, in dem er bisher Wertschätzung und Anerkennung erfahren hat, ist die Veränderung gewaltig – und selten ist man wirklich gut darauf vorbereitet. Der regelmäßige Tagesablauf, die Strukturen, die vorgegebenen Termine und Arbeiten, aber auch das Gefühl etwas geleistet zu haben, sein eigenes Geld zu verdienen, in ein Arbeitsteam eingebunden zu sein – all das fällt mit einem mal weg und nicht selten geraten Menschen dadurch in Depression und Krise. Was aber kann man tun, um diesen Lebensumbruch gut zu bewältigen, v.a. auch als Paar?

Das Gespräch suchen: Zunächst ist einmal wichtig sich Zeit zu geben, nicht zu viel auf einmal zu erwarten. Beide Partner müssen mit der neuen Situation erst zurechtkommen, sich neu organisieren, neue Strukturen, Tagesabläufe finden. Das geht nicht von heute auf morgen. Gespräche sind sehr wichtig in dieser Zeit. Wie wollen wir unser Leben künftig gestalten? Was braucht jeder einzelne jetzt? Der neue Rentenbezieher ist vermutlich überfordert, wenn er sogleich in das vorgegebene Freizeit- und Aktivitätenprogramm des Partners einsteigen soll.

Neue Wege finden: Es ist aber auch eine spannende Zeit. Gemeinsam kann man nun neue Wege gehen, herausfinden, was man als Paar wünscht, braucht. Wo finden sich Gemeinsamkeiten, wo hat jeder seinen eigenen Bereich, der ihm wichtig ist? Was hatte man immer für Pläne, Ziele, Visionen? Was ist verwirklicht, was noch offen?

Die Herausforderung annehmen: Derjenige, der diesen Wechsel in die Rente nun zu verkraften hat, sollte sich im Klaren darüber sein, dass sein Leben nicht „dem Ende zugeht“, wie es manche vielleicht empfinden, sondern dass nun neue Aufgaben auf ihn warten, dass ein neuer Lebensabschnitt angebrochen ist, mit neuen Herausforderungen. Manch einer braucht Ruhe und Rückzug, um für sich herauszufinden, wie er sein Leben künftig gestalten will, mancher schätzt eher das Gespräch und die Anregungen der Partnerin. Manchmal kann es auch hilfreich sein, sich professionelle Unterstützung zu holen (Lebensberatung, Coaching), um sich auf die neue Situation bestmöglich einzustellen.

 

Leserbriefanfrage

Problem: Meine Tochter (28) hat verdient gut und hat sich vor einem Jahr eine eigene Wohnung gekauft. Nun hat sie sich in einen Mann (35) verliebt, der schon länger keine Arbeit hat und von der Sozialhilfe lebt. Jetzt will er auch noch bei ihr einziehen. Mein Mann und ich befürchten, dass er sie nur ausnutzen will. Was können wir tun?
Elke G. (53), aus Hamburg

Lösung: Gleich vorweg: nicht viel. Ihre Tochter ist erwachsen und führt ein eigenständiges Leben. Dazu gehört auch, dass sie sich ihren Partner selbst aussucht. Doch Ihre Sorge ist verständlich. Haben Sie den neuen Freund denn schon kennengelernt? Vielleicht hilft es, wenn Sie sich ein eigenes (unvoreingenommenes) Bild machen können. Und wie geht es Ihrer Tochter? Ist sie sich der Problematik bewusst? Sprechen Sie mit Ihrer Tochter darüber. Denn natürlich ist es immer schwierig, wenn bei einem Paar der eine sehr gut verdient und der andere wenig oder gar nichts. Wie werden die Kosten aufgeteilt? Wer zahlt was? Das sind Themen, die geklärt werden wollen. Immerhin ist das Thema Geld eines der „heißen Eisen“ in langjährigen Beziehungen. Vermeiden sie jedoch vorschnelle Kritik und Abwertungen, das würde ihre Tochter möglicherweise eher zum Rückzug zwingen.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2013