Wenn die Schwiegermutter mit „einheiratet“…

Wer heiratet, bekommt zum Ehepartner zumindest noch zwei Menschen unaufgefordert mit dazu: die Schwiegereltern! Und manchmal kann damit auch das eine oder andere Problem einhergehen. Sabine S. klagt: „Ich liebe meinen Mann und ich mag meine Schwiegereltern, aber: meine Schwiegermutter kennt keine Grenzen. Sie kommt immer und jederzeit unangemeldet auf Besuch, fängt an in unserer Wohnung aufzuräumen, ja, gelegentlich stellt sie sich einfach an den Herd und fängt an zu kochen. Sie tut so, als würde sie hier wohnen und müsste ihren „Buben“ noch immer versorgen. Mein Mann sagt, er will sich nicht einmischen, sie meint es ja nur gut, er wolle sie nicht verletzen. Aber ich halte das einfach nicht mehr aus“ – ein alt bekanntes Familienmuster, unter dem vor allem die Partnerin leidet.

Beste Absichten: Ja, oft ist es nur gut gemeint, fürsorglich, wenn die Schwiegermutter sich einmischt. Sie will „die Kinder“ unterstützen, sich nützlich machen, Arbeit abnehmen. Das ist sie vermutlich so gewohnt. Vielleicht fällt es ihr auch schwer loszulassen, zu akzeptieren, dass sie nicht mehr die wichtigste Person ist im Leben ihres Sohnes. Vielleicht fehlt ihr ein eigenes Leben, fehlen eigene Interessen. Gründe gibt es viele, nichtsdestotrotz müssen klare Grenzen gesetzt werden für ein gedeihliches Miteinander. Und das lässt sich am besten in Ruhe bei einem sachlich-liebevollen Gespräch klären.

Eigene Grenzen abstecken: Wichtige Voraussetzung ist, dass Sie sich mit Ihrem Partner absprechen: was wollen wir künftig, was passt gut für uns und was nicht? Wie oft und wann darf die Schwiegermutter vorbeikommen, welche Aufgaben könnte sie übernehmen, wenn sie das wollte, wo muss ein klares Nein her? Erst wenn Sie sich als Ehepartner darüber im Klaren sind, wo Ihre (gemeinsamen) Grenzen liegen, können sie ein entsprechendes Gespräch führen.

Feedback geben: Erklären Sie der Schwiegermutter, dass Sie ihr Engagement zu schätzen wissen, loben Sie ihre Erfahrung und tatkräftige Unterstützung. Geben Sie ihr Rückmeldung, wie ihr Verhalten ankommt, was davon gut ist und was zu gut, wo Veränderungen nötig wären. Sprechen Sie klar und direkt an, wann es für Sie zu viel wird. „Wir brauchen ungestörte Zeit für uns“, „es ist für uns angenehmer, wenn du deinen Besuch mit uns absprechen bzw. ankündigen würdest“, „wir möchten uns gerne auf dich einstellen können“ etc.
Gemeinsam einen Plan entwickeln: Versuchen Sie gemeinsam mit der Schwiegermutter zu besprechen, wie Sie ihre Besuche gestalten könnten, fragen Sie nach, was ihr denn am wichtigsten sei, dann können Sie besser abschätzen, worum es im Grunde geht. Sehr oft stecken unausgesprochene Ängste und Unsicherheiten dahinter, vermeintliche Pflichten („ich muss mich ja um meine Familie kümmern, das wird von mir erwartet“), schmieden sie gemeinsam einen Plan, wie es für alle gut funktionieren könnte.

 

Leserbriefanfrage

Problem: Ich habe den unschönen Verdacht, dass meine neue Nachbarin von ihrem Mann geschlagen wird. Wir plaudern öfters ein wenig miteinander, manchmal geht sie mir aber absichtlich aus dem Weg. Sie trägt dann oft eine Sonnenbrille und ich habe auch schon blaue Flecken im Gesicht und an den Armen gesehen. Was soll ich machen?
Anke P. (45), aus Frankfurt

Lösung: Nach einer 2004 veröffentlichten Studie erleben rund 25 Prozent aller Frauen in Deutschland körperliche oder sexuelle Gewalt durch Beziehungspartner – die Wahrscheinlichkeit, dass Ihr Verdacht richtig sein könnte, ist also leider recht hoch. Ich würde Ihnen raten, bei passender Gelegenheit die Nachbarin darauf anzusprechen, dass Ihnen die Flecken aufgefallen sind. Fragen Sie sie, ob sie eventuell Probleme hat und Hilfe braucht. Vielen Betroffenen ist es oft sehr peinlich und unangenehm, sie schämen sich oder haben große Ängste. Sie können Ihrer Nachbarin unverbindlich Ihre Unterstützung anbieten ohne gleich einen massiven Verdacht zu äußern. Sollte sich Ihr Verdacht jedoch bestätigen, ist der Weg zur Polizei unumgänglich. Holen Sie sich, wenn möglich weitere Unterstützung, besprechen Sie sich auch mit ihrem Partner oder guten Freunden.

 

IN: DAS GOLDENE BLATT, 2013