Wir sind alle voller Geschichten…

… meint die Autorin, Künstlerin und Kursleiterin Tania Konnerth. Ich verfolge ihre Seiten im Internet schon lange („Tanias Welt“ und „Mein achtsames Ich“) und lasse mich immer wieder gerne von ihren Worten und Bildern inspirieren. Nun hat Tania Konnerth ein neues Buch herausgegeben: „Von der Seele schreiben“.

In uns allen liegen viele Schätze bereit, meint sie. Geschichten, Erlebtes, Erfahrenes, Einsichten, Ideen, Visionen… Und sie bietet eine Art Reiseführer für eine Entdeckungsreise zu sich selbst. Sie will zum Schreiben verlocken, verführen. Gusto machen. Das Buch soll einladen „in doppeltem Sinn »von der Seele« zu schreiben: Es macht Mut, Erlebtes zum Ausdruck zu bringen. Und es hilft, sich selbst zu begegnen und die Seele sprechen zu lassen. Es bietet konkrete Übungen, die helfen, ins Schreiben zu kommen und den Schatz zu finden, der in jedem von uns verborgen liegt.“

Ich habe das hübsch gebundene Büchlein ausführlich durchgeschmökert und viele Anregungen ausprobiert. Es ist ein guter Leitfaden zum Erkunden der eigenen Geschichte, um mit „neuen Augen“ an Altbekanntes heranzugehen. Um sich Erlebnisse, Begegnungen, Wünsche, Ziele aufs Neues bewusst zu machen. Sie dem Vergessen, dem Alltagshamsterrad zu entreißen und ihnen Bedeutung zu verleihen.

Das Buch ist in mehrere Abschnitte gegliedert: Eine Art Einführung – warum soll ich über mich schreiben und was und wie? Was, wenn ich eigentlich ja gar nicht schreiben kann, mich nicht drübertraue? Tania Konnerth nimmt sich aller Ängste und Befürchtungen an, gibt Tipps und lässt von Anfang an keinen Druck aufkommen. Sie leitet an zu einem spielerischen Eintauchen in die eigenen Geschichten. Es geht dabei keineswegs um perfekte literarische Texte, um irgendwelche Ansprüche von außen, sondern nur ums Beschreiben, in-Worte-Fassen von Erlebtem, Gefühltem, Gedachten.
„Über sich zu schreiben bedeutet, in einen Dialog mit sich zu treten… Über die eigene Geschichte zu schreiben ermöglicht uns, unseren eigenen Lebensweg aus verschiedenen Blickrichtungen zu betrachten.“

Der nächste Abschnitt widmet sich den Rückblicken – was hinter mir liegt. Frühe Erinnerungen, Kindheitserlebnisse, Begegnungen, die prägend waren… alles darf in Worte gefasst werden. Dem Rückblick folgt der Einblick. Was jetzt ist. Achtsamkeit, sich selbst besser verstehen, mit Schwierigkeiten umgehen, Tagebuch schreiben, den Moment leben. „Im Alltag zu schreiben kann uns kleine Portionen Achtsamkeit schenken. Denn je voller und hektischer unser Leben ist, desto weniger nehmen wir es oft wahr. Wir funktionieren, wir arbeiten unsere To-do-Listen ab, wir sind für andere da.“ Um dann auch wieder in Kontakt zu sich selbst zu kommen, sich immer wieder auf die eigene innere Stimme zu besinnen, dabei helfen die vielen kleinen und größeren Schreibtipps. Die je nach Bedarf und Bedeutung mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen. Wie intensiv die Übungen umgesetzt werden, kann jeder für sich selbst entscheiden.

Eine Übung beispielsweise lautet: „Dieser Moment“
„Jeder Moment, den wir erleben, ist einzigartig, denn jeden gibt es nur einmal. Jeder Moment ist vergänglich und deshalb ist jeder kostbar… Nehmen Sie Stift und Papier und schreiben Sie spontan und ohne groß nachzudenken weiter: „Jetzt gerade……..“

Nach den Einblicken folgen noch die Ausblicke – Was brauche ich, wie plane und „fühle“ ich meine Zukunft, usw. Darin als Übung enthalten ist auch die „Bucketlist“, eines meiner Lieblingsinstrumente: Auf dieser „Löffelliste“ soll/darf alles stehen, was man in diesem Leben noch erlebt, getan haben möchte. Das, was unbedingt wichtig ist. Und schließlich gibt es noch ein Kapitel mit Anregungen dazu, was man mit seinem Texten machen kann. Ob man vielleicht doch an Veröffentlichung denkt und wie das gehen könnte.

„Von der Seele schreiben“ ist ein sehr gut lesbares, sehr persönliches Buch. Das man von vorne bis hinten durcharbeiten kann. Oder aus dem man sich immer wieder Passagen, Übungen raussucht, die gerade passen. Es sind einfach umzusetzende Anregungen, die auch in der Praxis, in Seminaren eingesetzt werden können. Insofern: Ein erfreutes, mehrfaches Danke an die Autorin.

Konnerth, Tania: Von der Seele schreiben: Auf Entdeckungsreise zu mir selbst. – Freiburg: Herder, 2015.

 

Veröffentlicht am 20. Juni 2015 auf Praxis Psychologie & Lebensberatung.