Wo Rüdiger Dahlke sein Lebenszentrum fand

Die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt er ja schon lange. Jetzt hat er sich auch tatsächlich in Österreich niedergelassen, genauer gesagt in der Südsteiermark, in der kleinen Marktgemeinde Gamlitz – das 2012 bereits zum zweiten Mal zum schönsten Blumendorf Europas gekürt wurde.

Als Kind führte ihn eine Ferienreise in den „toskanischen“ Süden Österreichs und er war damals schon begeistert. Von wem hier die Rede ist? Rüdiger Dahlke, gebürtiger Berliner, international bekannter Arzt und Therapeut, Vortragender, Seminarleiter und Autor von mehr als 50 Büchern. Weltbekannt wurde der heute 61jährige mit Bestsellern wie „Krankheit als Weg“, „Krankheit als Symbol“ und „Krankheit als Sprache der Seele“, die mittlerweile Auflagen in Millionenhöhe erreicht haben. Er hat die Seele, die spirituelle Dimension (zurück) in die Medizin gebracht, er hat (anfangs gemeinsam mit dem Münchner Psychologen Thorwald Dethlefsen, 1946-2010) eine Psychosomatik mit spiritueller Perspektive begründet – und er hat den Menschen die Eigenverantwortung für ihre Gesundheit (wieder) in die eigene Hand gegeben. „Wenn´st krank bist, bist selber schuld“, mag der Laie heraushören … aber so ist es gerade nicht gemeint und ganz so simpel ist das auch nicht mit der Psychosomatik. Rüdiger Dahlke entschlüsselt sehr genau, was Symptome zu bedeuten haben: „Jedes Symptom hindert die Betroffenen an etwas und zwingt sie zu etwas anderem.“ Man müsse nur genau hinschauen und wahrnehmen, was der Körper uns sagen wolle. „Denn hinter all den Problemen, Symptomen und Krisen warten unbewusste Seelenanteile und drängen darauf, endlich gesehen und beachtet zu werden“. Die Sprache der eigenen Seele zu verstehen, den eigenen seelischen Schatten wahrzunehmen, ihm Platz einzuräumen – das bilde das Fundament für Gesundheit und Heilung.

Und Rüdiger Dahlke weiß, wovon er spricht. Bei unserem Gespräch im lauschigen Kaminzimmer erzählt er, dass er sich schon während seiner Studienjahre mit den verschiedensten Naturheilverfahren und Psychotherapien beschäftigt hat. Er ist viel gereist, durch Europa, Afrika, Asien. Er hat Monate in Namibia verbracht und in Indien, er hat in verschiedenen Kulturen andere Heil-Methoden erforscht, ob bei den Geist-Chirurgen auf den Philippinen, schamanistischen Ritualen oder Meditations-Heilungen in indischen Ashrams. Er ist ein belesener, kluger Mann, der sich in viele Themen und Bereiche eingearbeitet hat, immer gerne hinterfragt und Querverbindungen herstellt. Seine Buch-Trilogie „Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben“, „Das Schattenprinzip“ und „Lebensprinzipien“ basieren denn auch auf uraltem Wissen, das er für den modernen Menschen neu erschlossen und zugänglich gemacht hat.

Schon 1990 hat Rüdiger Dahlke mit seiner damaligen Ehefrau Margit das Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen in Niederbayern gegründet. Es ist auch heute noch ein Ort der ganzheitlichen Therapie von Körper, Seele und Geist, wo vielfältige Psychotherapien und andere Behandlungsmethoden angeboten werden, die „auf einer spirituellen Philosophie der alten Traditionen beruhen, in denen der einzelne Mensch (noch) Teil des großen Ganzen ist“. Heute führt Margit Dahlke das Heil-Kunde-Zentrum, das sich nach wie vor großer Beliebtheit erfreut.

Nach der einvernehmlichen Trennung der beiden hat Rüdiger Dahlke nun gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, der Schweizerin Rita Fasel, seinen neuen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt in der Steiermark gefunden. 2007 haben sie einander kennen- und lieben gelernt, damals seien neue Ziele, neue Visionen, neue Projekte entstanden. „Rita wollte in Österreich leben“ und dann wurde den beiden ein Fleckchen Südsteiermark angeboten: TamanGa, ihr heutiger Lebensmittelpunkt.

Ich besuche den prominenten Neo-Gamlitzer, da ist es noch Winter, und TamanGa liegt ein wenig verwaist und in beschaulichem Frieden. „Über 30 Jahre träumte ich von einem idealen Zentrum für spirituelle Seminare. Der Platz fand uns in Gestalt dieses alten aufgelassenen Weingutes, ein Ort, der schon seit drei Jahrzehnten nur Bioanbau erlebte und wo Spiritualität Ziel war.“

Nach eineinhalb Jahren Bauzeit war die elf Hektar große, geschmackvoll gestaltete Anlage fertig, „eingebettet in eine herrliche Naturlandschaft“, wie der Hausherr schwärmt. „Die Bauweise war unkonventionell. Unsere Gebäude sind ohne Metall, nur mit Holz und Lehm gebaut, es wurden Solar-, Photovoltaik- und Hackschnitzelheizungen installiert“. 14 Mitarbeiter(innen) sind momentan hier beschäftigt, die meisten von ihnen leben auch hier. Es gibt acht Wohnungen, 35 Gästezimmer und ausreichend Platz für Wohnmobile.

Beim Rundgang durch die Anlage darf ich einen Blick in die individuell gestalteten Zimmer werfen – klein und fein, liebevoll und nur dezent eingerichtet. „Wir wollen uns hier auf das Wesentliche konzentrieren“ – daher finden sich weder Telefone noch Fernseher in den Zimmern.

Im Frühjahr 2012 wurde TamanGa offiziell eröffnet. TamanGa bedeutet übrigens Garten auf balinesisch (taman), während Ga für Gamlitz steht. Warum balinesisch? Weil Bali für den Mediziner zur zweiten, zu seiner Wahlheimat geworden ist. Seit zehn Jahren schon verbringt er regelmäßig mehrere Monate im Jahr auf Bali. Hier schreibt er seine Bücher und kann Kraft tanken.

In TamanGa werden ganzjährig Seminare und Ausbildungen angeboten sowie die Möglichkeit für Erholungsurlaube, Auszeiten und spezielle Gesundheitsaufenthalte.
Das Zentrum läuft gut, die Seminare sind begehrt, freut sich Dahlke. Und schenkt mir zum Abschied die TamanGa – CD, die Daniela Sainitzer & Erich Schacherleigens für das neue Lebenszentrum komponiert und getextet haben.

 

IN: KLIPP, Februar 2013